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Jordanien – ein kleines Land mit vielen Überraschungen

Mit einer Größe vergleichbar Österreichs ist Jordanien klein – vor allem wenn man von einem so riesigen Land wie Saudi-Arabien kommt. Wir müssen uns erst einmal an die neuen Distanzen sowie den Maßstab der Landkarte gewöhnen.

Das Wadi Rum ist, selbst für uns „wüstenverwöhnten“ Reisenden, eine wirkliche Bereicherung – vor allem jetzt, da wir coronabedingt fast die einzigen Besucher sind. Toll zum Offroad fahren im tiefen Sand mit spektakulären Felsformationen und Canyons. Ein Abstecher nach Aqaba am roten Meer lässt uns ein letztes Mal wirklich warme Temperaturen tanken und die beindruckende Kulisse im Länderviereck Jordanien, Saudi, Ägypten, Israel genießen.

Über Petra haben wir natürlich schon viel gelesen und gehört und entsprechend hoch ist unsere Erwartungshaltung. Erneut profitieren wir von den sehr wenigen Besuchern und tollem Wetter. Überrascht sind wir hinsichtlich der Dimensionen der Anlage… einen guten halben Tag wandern wir mit recht hohem Tempo hindurch, ohne wirklich alle Winkel gesehen zu haben. Am Abend – wir sind gerade wieder an unserem Stellplatz für die Nacht angekommen – kommt heftiger Wind auf und der Schneeregen startet. Was für ein Glück mal wieder!

Jordanien bietet viel Kultur. Kreuzritterburgen, Klöster, Kirchen und antike Stätten jeglicher Couleur aus den unterschiedlichsten Epochen befinden sich auf engstem Raum. Ägypter, Nabatäer, Römer, Byzantiner, Osmanen etc. – alle waren sie hier. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht wieder den „Steine-Overload“ bekommen, den wir schon in Peru erfahren haben. Abwechslung von der Kultur erfahren wir bei einem entspannenden, aber skurrilen Bad im toten Meer in einem netten Hotelresort, wo wir uns als Tagesgäste einquartieren. Wirklich überrascht sind wir von der antiken, römischen Stadt Jerash – ihre Größe ist extrem beeindruckend und unerwartet und kann ohne Weiteres mit den großen Sights in der Türkei und Griechenland mithalten.

Auf der Weiterfahrt haben wir den zweiten Unfall auf dieser Etappe: ein Mini-Bus ist vom Standstreifen ausgeschert und in uns hineingefahren. Bei Shujaa ist wie immer so gut wie nichts passiert… die Fahrerseite des Mini-Busses sieht hingegen nicht gut aus. Der Polizist ist weniger professionell als derjenige im Iran bei unserem letzten Unfall. Trotz sehr eindeutiger Dokumentation mittels unserer Dash-Cam interpretiert er die Schuldfrage recht frei und gegen uns. Aber die umgerechnet 60 € „Settlement-Fee“, für eine pragmatische Einigung, stören uns weniger als die Tatsache, dass wir während der ganzen Diskussionen und des Wartens realisieren, dass der Befestigungs-Kasten unserer MAN-Starter-Batterien am Heck auf einer Seite völlig abgerissen ist und auf der anderen Seite nur noch an einem Fitzelchen Stahl hängt. Glücklicherweise startet Shujaa noch (sprich Batterien und Batterie-Kabel sind nicht beschädigt) und ein hilfreicher Automechaniker ist auch zur Stelle, mit welchem ich mit Hilfe von unseren beiden Wagenhebern und Spanngurten eine notdürftige Befestigung zur Weiterfahrt anbringe. Unglaublich, was alles kaputt gehen kann, wenn man viel Offroad fährt – und dies hat definitiv nichts mit dem Unfall zu tun. Diesmal war der Unfall sogar für etwas gut: ohne ihn hätten wir diesen Schaden erst dann bemerkt, wenn der ganze Halterungs-Kasten samt Batterien auf die Straße geplumpst wäre mit viel größeren Folgeschäden. MAN in Amman repariert in einem knappen Tag den Halterungs-Kasten auf einem Qualitätsniveau welches mit Deutschland mindestens vergleichbar ist.

Das Wetter wird schlecht und kalt: wir haben Schneeregen und extreme Regenfälle. Also machen wir uns auf nach Osten in die Wüstengebiete des Landes… gemäß der Logik: „wo Wüste ist, ist kein Regen bzw. Schnee“. Die Wüstenschlösser sind beeindruckend: Es sind keine Schlösser im eigentlichen Sinne, weder von der Dimension noch von der Pracht, sondern mehr Burgruinen. Auch die Steinwüste hier ist nicht wirklich spektakulär, aber jedes der von uns besuchten Schlösser hat seine ganz eigene Aura: tolle Fresken, feine Mosaiken, faszinierende Basalt-Steine mit imposanten Steintüren, exponierte Hügellage unweit der syrischen Grenze.

Allerdings fahren wir auch an den größten Flüchtlingslagern des gesamten Nahen und Mittleren Ostens vorbei: Dimensionen, die wir uns nicht vorstellen können – alles abgeriegelt wie ein Gefängnis. Trotzdem muss man Jordanien hohen Respekt zollen: 60% der Bevölkerung sind Palästinenser (und damit auch Flüchtlinge aus den beiden Israel-Kriegen), weitere 10% sind Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien. Und wir in Europa diskutieren über kleinteilige Verteilungsquoten.

So verlassen wir Jordanien mit viel Respekt für dieses kleine Land, welches trotz der extremen Herausforderungen und ethnischen Vielfalt es immer geschafft hat, ein Garant der Stabilität, in dieser wirklich nicht einfachen Region, zu sein. Wir sind gespannt, ob wir die Einreise nach Israel auf dem Landweg schaffen werden… da dies kein Tourist seit über zwei Jahren praktiziert hat, gibt es hier keinerlei verlässliche Informationen.

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