2018BrasilienStädteSüdamerika

Was für Kontraste: Rio, São Paulo, Parati – Und alles gut überstanden!

Die Städte Rio de Janeiro und São Paulo gelten als extrem gefährlich. Da wir aber Brasilien bisher – entgegen allen von uns durchaus ernst genommenen Warnungen – als sehr friedliches Land mit wahnsinnig netten Einwohnern (mit den Kolumbianern diesbezüglich an erster Stelle in Südamerika stehend) kennen gelernt haben, beschließen wir uns den Herausforderungen dieser Städte, zusammen mit unserer Trutzburg Shujaa zu stellen.

Rio ist ja der Besuchsmagnet schlechthin und in São Paulo haben wir eine Einladung von dort lebenden Brasilianern, die wir im Nord-Osten des Landes getroffen haben – eine gute Gelegenheit die Wirtschaftsmetropole Südamerikas mit 22 Mio. Einwohnern mal außerhalb der Touristenpfade „hautnah“ zu erleben.

Von über 5 Wochen Strandurlaub gut erholt und gebräunt fahren wir nach Rio direkt zu unserem Standplatz. An der Talstation der Gondel auf den Zuckerhut gibt es zahlreiche Militäranlagen, so dass dieses Gebiet 24 h rund um die Uhr bewacht ist, also ideal für uns und zudem noch sehr zentral gelegen. Dank der perfekten und auch für Shujaa’s Dimensionen mehr als großzügigen Straßen (es wurde aufgrund Fußball WM und Olympiade massiv in Infrastruktur investiert) sind wir auch schnell dort – nur leider erfahren wir eine große Ernüchterung: der Parkplatz ist komplett voll, hier hätte noch nicht einmal ein Mini Platz, geschweige denn Shujaa. Man verweist uns auf eine Bus-Spur, auf der tagsüber die großen Touri-Busse parken: dort will man uns zunächst auch nicht haben, aber – wie wir schon mehrmals in Brasilien gesehen haben – wird aus einem zunächst theatralisch vorgetragenen „Geht nicht“ plötzlich doch ein „Ja“. Ohne dass wir die Gründe nachvollziehen können. Also ist Shujaa zumindest mal bis abends versorgt, während wir die Christus-Statue mit spektakulärem Blick auf die Stadt und Strände besuchen sowie den Edel-Stadteilen Ipanema und Leblon sowie der angrenzenden Copacabana einen ersten Besuch abstatten.

Abends hat sich der ursprünglich angesteuerte Parkplatz merklich geleert, so dass wir dort einen guten Standplatz für die Nacht finden. Allerdings müssen wir am nächsten Morgen wieder wegfahren…. weil das Militär den Parkplatz selbst braucht oder weil wir vielleicht etwas furchteinflößend aussehen…. Man weiß ja nie, was plötzlich aus unserer Dachluke herausgefahren kommt. Daher pendeln wir die nächsten zwei Tage die 300 Meter zwischen Militärparkplatz für die Nacht und Busparkplatz für den Tag…. Shujaa steht gut und das ist die Hauptsache.

Auch der Zuckerhut sowie die traumhafte Lage und entspannte Atmosphäre gefällt uns sehr, sehr gut. Wo auf dieser Welt hat man eine Großstadt mit 7 Mio. Einwohnern mit so tollen, tropischen Stränden und so chilliger Atmosphäre? Karin ist ob der Vielseitigkeit völlig begeistert. Am letzten Tag machen wir noch eine geführte Tour durch zwei Favelas und sehen somit nicht nur die „andere Seite“ der Stadt, sondern bekommen auch viele interessante Hintergrundinfos.

Mit schwerem Herzen verlassen wir diese wirklich einzigartige Stadt und fahren entlang der Costa Verde gen Süden: Parati, ein kleines Kolonial-Städtchen an einer geschützten Meeresbucht mit bezaubernder Atmosphäre, ist ein toller Zwischenstopp bevor es in die „Städte der Städte“ geht: lange haben wir überlegt, ob wir die Einladung unserer Bekannten nach São Paulo annehmen wollen, hatten Sorgen ob des Verkehrschaos und der Kriminalität, haben uns aber schlussendlich doch dafür entschieden, einfach weil wir viel zu neugierig sind.

Unsere Bekannten haben uns einen sicheren Stellplatz in einem geschlossenen und bewachten Wohnviertel einer Freundin besorgt, den wir auch ohne Verfahren und ohne Mega-Stau gut erreichen: die dortige Security macht zwar zunächst ein paar Probleme, aber wieder einmal merken wir, dass die Brasilianer erst einmal gerne diskutieren und Probleme machen und sich dann später alles in Wohlgefallen auflöst.

Die Stadt übertrifft noch unsere Erwartungen hinsichtlich Moloch und Hässlichkeit: keinerlei Struktur, an welcher man sich orientieren kann wie Berge, Flüsse o.ä. (und damit ein völliger Kontrast zu Rio welches mit seinen vielen Buchten und Bergen teilweise fast kleinstädtisch wirkt) und schäbige Hochhäuser wohin das Auge reicht. Erstmals sehen wir auch wirklich viele Obdachlose mitten auf der Straße liegen und Drogendealer die direkt vor unseren Augen Crack verkaufen – alles auch in „guten“ Wohnvierteln. Die Besichtigungs-Höhepunkte sind überschaubar und wenig spektakulär, einzige Ausnahme ist der zentrale Markt wo es tolle und frische Lebensmittel in hervorragender Qualität zu kaufen gibt. Noch nie in Südamerika haben wir eine so große Auswahl auch an internationalen Produkten gesehen, man merkt deutlich die große Zahl europäischer Einwanderer, welche zu Anfang des letzten Jahrhunderts hierhingekommen sind.

Dafür erfahren wir in unseren abendlichen Treffen mit unseren Bekannten Nathalia und Lucas sowie ihren Freunden viel über Land und Leute. Insbesondere die bevorstehende Stichwahl in zwei Tagen wo voraussichtlich der „Trump der Tropen“ gewinnen wird ist das dominierende Thema und führt zu großer Sorge bei unseren Freunden bis hin zu Überlegungen, den zukünftigen Lebensmittelpunkt weg von Brasilien zu verlagern. Man erwartet auch heftige Ausschreitungen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses, so dass wir froh sind am nächsten Tag São Paulo wieder zu verlassen. Was für eine Stadt, aber wir haben tiefe Einblicke in das Land gewonnen, welches halt nicht nur aus Traumstränden und Transamazonica besteht. Und wir sind – entgegen allen Warnungen – wieder nicht überfallen oder ausgeraubt worden!

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