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Unbekanntes Saudi-Arabien: Durch die Rub Al Khali Wüste über Riad ins Asir Gebirge

Saudi-Arabien ist die große Unbekannte auf unserem aktuellen Weltreise-Abschnitt. Erst ab Ende 2019 sind überhaupt Touristen-Visa ausgestellt worden und dann kam Corona … somit haben bisher kaum Touristen das Land bereist, aktuelle Reiseführer gibt es nicht und auch sonstige Informationen sind nur sehr mühsam zu bekommen. Jedoch hat Saudi-Arabien den Tourismus als einen wichtigen zukünftigen Wirtschaftszweig erkoren – ähnlichen den Emiraten -, um die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu reduzieren. Wir sind daher sehr gespannt. Ein Land ganz zu Anfang seiner touristischen Entwicklung zu entdecken, hat ja bekanntlich einen ganz besonderen Charme.

Wir reisen über den schon lange angekündigten, aber erst vor zwei Wochen eröffneten, ersten Grenzübergang zwischen Oman und Saudi ein – wieder einmal haben wir viel Glück hinsichtlich unseres Timings! Das Besondere an dieser Grenze ist, dass die anschließende Strecke mitten durch den Kern der Rub Al Khali Wüste führt, dem sogenannten „Empty-Quarter“. In dieser größten Sandwüste der Welt gibt es…. Nichts! Die Einreise verläuft sehr freundlich, noch nie wurden wir mit Datteln und Wasser bei der Einreise beschenkt und zum Kaffee eingeladen. Direkt hinter der Grenze können wir uns noch zu 0,15 €/l günstig mit Diesel eindecken, danach kommen 600 km lang nur noch spektakuläre, rote Sand-Dünen. Kein Ort, kein Geschäft, keine Menschen, keine Tiere, keine Möglichkeit eine SIM-Karte zu kaufen oder sich mit Bargeld zu versorgen, was man aber dort auch nicht wirklich nutzen könnte. Diese endlose Weite, die Grazie der Dünenformen und die kontemplative Stille macht zweifelsohne den Reiz dieser Wüstendurchquerung aus – die Straße selbst ist ein bestens ausgebauter, asphaltierter Wüsten-Highway. Die fahrerischen Herausforderungen kommen daher erst dann, wenn man einen schönen Übernachtungsplatz, abseits des Highways, im imposanten Dünen-Meer finden möchte.

In Riad, nach über 1.200 km angekommen, finden wir dann Infrastruktur vor. Ansonsten bewirbt sich Riad mit Sao Paulo um den Platz der hässlichsten, von uns bisher besuchten, Städte der Welt: riesige Ausmaße, extrem vermüllt und – das überrascht vielleicht – mit ziemlich heruntergekommener Infrastruktur. Insbesondere im Oman, wo alle öffentlichen Gebäude nagelneu und aufwändig hergerichtet sind, wirkt Saudi-Arabien im Vergleich durchaus ärmlich. Schade ist auch, dass – nicht nur in Riad – viele Sehenswürdigkeiten geschlossen sind oder gerade renoviert werden; vielleicht aber auch aufgrund von Corona. Zudem haben wir Nebel und Regen, somit haken wir Riad schnell ab. Die Menschen jedoch sind durchwegs sehr offen und aufgeschlossen und freuen sich sichtlich über die ungewohnten Besucher.

Die Abbruchkante beim sogenannten „Edge of the World“ ist jedoch die Wucht. Circa 120 km nordwestlich von Riad fällt die Hochebene entlang mehrerer hundert km über 300 Meter tief ab und an diesen Stellen haben sich besonders bizarre Sandsteinformationen gebildet. Vor ein paar Wochen sind leider mehrere Expatriats mit ihrem Jeep die Klippen heruntergestürzt (das zertrümmerte Auto kann man noch gut sehen), somit sind drei große, steile Erdwälle aufgeschüttet worden, um den Zugang für weitere Besucher zu versperren und damit potentiell ähnliche Unfälle zu verhindern. Wir holen jedoch unsere „Allzweck-Waffe“ Shujoo raus und es gelingt uns tatsächlich über die Wälle hinüberzufahren und zur Abbruchkante vorzudringen –-eine kleine „Extra Challenge“.

Die 900 km lange Fahrt von Riad durch die Wüste nach Abha im Süden des Asir Gebirges ist unerwartet abwechslungsreich und wir passieren beindruckende Granitstein-Formationen. Das Asir Gebirge selbst, mit bis zu 3.000 Meter hohen Bergen, flankiert das rote Meer bis in den Jemen hinein. Über eine Distanz von mehreren hundert km trennt es das Wüsten-Inland zur Küste ab. Es zählt für uns zu den spektakulärsten Gebirgen, die wir bisher gesehen haben. Es gibt sowohl runde, ausgewaschene als auch extrem zackige (an die Dolomiten erinnernde) Granitberge, durchsetzt von wenigen, aber beeindruckenden alten Steindörfern mit stark jemenitischem Einfluss. Wir finden tolle Stellplätze, werden zum Essen von gastfreundlichen Einheimischen eingeladen und machen ausgiebige Exkursionen mit Shujoo. Wir fahren Pisten, die in Steilheit und Ausgesetztheit alles übertreffen was wir bisher auf der Welt gesehen und als fahrbar erachtet haben – selbst unser Allrad-Quad kommt an seine Grenzen. Die adrenalindurchsetzten Erlebnisse sind einmalig! Wie schon in Südamerika sind die kleinen Pass-Straßen die absoluten Höhepunkte dieser Region. Leider sind diese für Trucks verboten, aber ohne ein paar dieser wunderbaren Straßen gefahren zu sein, wäre das Gebiet nur halb so schön. Im Gegensatz dazu bietet die groß ausgebaute Höhenstrasse, welche häufig im Nebel liegt, eher selten tolle Ausblicke.

Wir verlassen die Region, ein weiterer Höhepunkt naht mit dem Besuch der Dakar Rallye.

10 Kommentare

  1. Gratulation! Welch ein Glück, dass Ihr es geschafft habt, in dies Land zu kommen. – Wenn ich jetzt recht erinnere: Michael Martin hat seinerzeit 20 (in Worten: Zwanzig) Jahre lang versucht, für seine Wüstenprojekte auch nach Saudi Arabien / in die Rub al Khali zu kommen. Er hatte sich dann eines Tricks bedienen müssen (Fotograf für ein geolog. Projekt, das ihn wenig bis gar nicht interessierte oder so). – Euch jedenfalls weiterhin so viel Erfolg wünscht
    Christoph (aus dem 4° „warmen“ Berlin)

    1. Hallo Christoph!
      Ja, welch ein Glück, vor allem wenn man bedenkt wie wunderschön es hier ist. Aber jetzt dürfen Touristen ja rein, auch wenn sie noch nicht wirklich darauf vorbereitet sind 😉
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  2. Wow welch tolle Bilder und Eindrücke – standen 1986 an der jordanischen Seite der Grenze und hätten nie gedacht, dass KSA einmal für Individualtouristen öffnen würde!! Ihr habt uns in der Türkei „abgehängt“ – so bleiben wir an euch dran😉
    VG Stefan und Gabriele

    1. Hallo Gabriele, hallo Stefan!
      Ja, hier ist es wirklich toll: ein Offroad-Paradies. Solltet Ihr auch machen …
      Was heißt abgehängt?
      Freut uns, dass Euch die Eindrücke gefallen.
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  3. Hoi Zäme!
    Super eure Reise im Orient miterleben zu dürfen.
    Ihr habt es genau richtig gemacht.
    Absolut Spitze.
    Wie habt ihr die Rally erlebt?
    Kamaz hat ja schon wieder alles aufgeräumt.

    Ich musste nach der Rückkehr von Kenya zuerst mal
    etwas Unterhalt machen am MB1120.
    Umbau auf Lithium Accu und Einbau einer kleinen Waschmaschine.
    Da es uns in der Schweiz zu kalt war, sind wir wieder in Kenya.
    In der schönen villa-lazizi.com

    Wir wünschen euch beiden weiterhin wunderschöne Erlebnisse.

    Alles Gute aus Kenya
    Erich und Maja

    1. Ihr Lieben!
      Toll von Euch zu hören. Es freut uns, dass es Euch gut geht und in Kenia seid. D.h. Ihr seid ohne Wagen in Kenia?
      Wir haben auch einen Batteriewechsel hinter uns. Und wir sind total happy damit.
      Euch auch alles Liebe und viel Spaß noch.
      Rallye Blog kommt gleich …
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  4. Danke ..mit euch mitzufahren macht riesigen Spaß😘Bin mit meiner Frau
    In Saalfelden und holen unser neues Gefährt ab
    Dann geht es auch für uns los…sollten wir uns Treffen
    Ist euch eine Einladung mit Speis und Trank sicher.Bleibt
    weiter Gesund😎😘

    1. Wie lieb von Euch. Achtung, das machen wir wahr 😉
      Allzeit gute Fahrt für Euch und viel Spaß!
      Karin & Oliver

  5. Unglaublich ! Eure Reiseeindrücke und – erlebnisse machen wieder einmal nur sprachlos. So viel beeindruckende Natur, unvergleichliche Bilder und Schilderungen, die es ermöglichen, gedanklich ein bisschen mitzureisen. Und die Tom Ford Sonnenbrille natürlich immer dabei 🙂 Comme il faut….

    1. Saudi Arabien ist einfach auch der Hammer. Noch nie waren wir so oft auf der Piste und haben so oft Luft raus und wieder rein gelassen. Der Traum. Und Landschaften und Wüsten – endlos.

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