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Mendoza: Tiefe Schluchten, hohe Andenpässe und liebliche Weingüter

Nachdem Shujaa und wir uns etwas von der dreitägigen Befreiungsaktion an der Laguna Llancanelo regeneriert, ein paar Reparaturen durchgeführt und eine umfängliche Reinigungsaktion durchgeführt haben, geht es weiter gen Norden Richtung San Rafael: dort gibt es das sehr schöne Val de Atuel – ein in einem tiefen Canyon mit bizarren Felsformationen eingeschnittener Fluss.

Leider zieht ein starkes Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen und Hagel auf, so dass wir – noch immer sensibilisiert durch unsere Erlebnisse in der Lagune in den letzten Tagen – schnell das Tal wieder verlassen bevor die Straßen überspült werden. In atemberaubender Geschwindigkeit steigt der Fluss, auf dem bei unserer Ankunft noch Rafts und Kanuten unterwegs waren, in dem engen Tal an. Auf dem Weg nach San Rafael sehen wir die Zerstörungen des Hagels insbesondere beim Weinanbau, zudem ist in der ganzen Stadt der Strom ausgefallen, so dass wir wieder nicht unsere fast auf Null geschrumpften Bargeldbestände an einem Geldautomaten auffüllen können.

Wir fahren daher weiter auf abenteuerlicher Strecke (so ganz schrecken wir vor fahrtechnischen Herausforderungen immer noch nicht zurück), über zwei Pässe auf 3.700 hm, zu der unterhalb des Vulkan Maipu traumhaft gelegenen Laguna Diamante. Im Gegensatz zum Süden (Feuerland/Patagonien) werden hier die Berge mit deutlich über 5.000 hm immer höher und wir merken die Höhe doch recht deutlich – unser Übernachtungsplatz direkt an der Lagune liegt auf immerhin 3.200 hm. Wir fühlen und nicht nur physisch komisch und schlapp, sondern irgendwie sind wir beide auch leicht depressiv. Dies legt sich zum Glück wieder, als wir in die Weinbaugebiete südlich von Mendoza fahren: das sehr schöne Valle de Uco ist zwar mit 1.300 hm auch noch das höchstgelegene Weinbaugebiet der Welt, aber nach der Höhen-Nacht mitten in den Anden sind wir mittlerweile gut akklimatisiert.

Nach den Strapazen und Abenteuer der letzten Tage genießen wir die Infrastruktur und den Lifestyle dieser toll gelegenen Weinregion: Wir machen tolle Weinverkostungen, füllen den verbleibenden freien Stauraum von Shujaa mit guten Tropfen, gehen toll Essen und sind irgendwie in einer ganz anderen Welt. Allerdings nur für recht kurze Zeit, da wir rüber nach Chile in die nächste Weinbauregion „müssen“, wo wir gute Freunde am ersten/zweiten Weihnachtsfeiertag treffen.

Wir schauen uns noch Mendoza an – die Stadt wird im Reiseführer als schönste Stadt Argentiniens beschrieben, wir finden sie nett aber unspektakulär –, fahren auf der Suche nach einem Stellplatz durch die ersten Slums Südamerikas und dann geht es über eine erneut spektakuläre Nebenstrecke Richtung Chile und an den Fuß des Aconcaguas. Der höchste Berg außerhalb des Himalayas wirkt sehr erhaben und unnahbar, die Gletscherabbrüche wirken bedrohlich, die ihn umgebenen polychromen Felsformationen kontrastieren die ganze Szenerie. Über einen auf 3.200 hm gelegenen Pass geht es zum vierten Mal auf unserer Reise raus aus dem rauen Argentinien hinein in das zivilisierte Chile.

Der Grenzübertritt verläuft problemlos und die chilenischen Lebensmittelkontrolleure gehen überraschenderweise diesmal völlig leer aus. Nur über auf Shujaa’s Parkettboden liegendes, aus Deutschland mitgebrachtes Springbockfell aus Afrika, wird diesmal lange diskutiert. Zunächst vermuten die chilenischen Grenzer es wäre ein getötetes, lokales Guanako, aber wir können sie von diesem Gedanken zum Glück wieder abbringen. Interessant, dass dieses durchaus übliche Bodenfell bei den drei anderen Grenzübertritten nie ein Problem war.

 

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