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Dubai – was für ein Gegensatz zum Iran!

Nachdem wir Shujaa, in Bandar Abbas im Iran, zwecks Verschiffung nach Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), abgegeben haben, besteigen wir nach fünf tollen Wochen Iran den Flieger nach Dubai (die „klassische“ Fährverbindung auf dieser Strecke ist coronabedingt immer noch ausgesetzt, insofern müssen Fahrzeug und Passagiere getrennte Wege gehen). Die Einreise in Dubai ist super effizient und bisher beispiellos: Duzende PCR Teststationen sind dort aufgebaut, damit Einreisende aus Hochrisikoländern (zu denen auch immer noch der Iran gehört) dort bei Ankunft den obligatorischen Zweittest, ohne jegliche Wartezeit machen können. Auch die Immigration selbst ist in Geschwindigkeit und Technologisierung führend, man bekommt eine auf seine Passdaten vorcodierte SIM-Karte mit einem Start-Datenvolumen, damit man direkt kommunikationsfähig ist… wir haben noch nicht einmal den Flughafen verlassen und die Unterschiede zum Iran (der mal gerade 40 km Luftlinie entfernt ist) könnten nicht größer sein…. auch hinsichtlich des Einreiseprozedere. Wir sind total beeindruckt und Karin fasst es nicht, als sie sich mit der SIM anmeldet und all ihre Daten automatisch erfasst sind, was normal immer Stunden dauert.

Als erstes schauen wir auf unseren Tracker, um zu sehen wo sich Shujaa befindet und sind sehr happy: das Schiff hat schon um 17:00 h, also kurz nach unserer Abfahrt, den Hafen verlassen und befindet sich also auf dem Weg nach Sharjah. Damit wird es wohl morgen frühzeitig ankommen und wir können unser Baby direkt am Vormittag aus dem Hafen rausholen… so denken wir zumindest! Als wir am nächsten Morgen als erstes wieder auf den Tracker schauen, die große Ernüchterung: das Schiff befindet sich immer noch am gleichen Punkt wie gestern Abend – irgendwo auf Reede in der großen Bucht vor Bandar Abbas. Das hektische Telefonieren mit Verschiffungsgesellschaft und Agent beginnt. Ein paar Stunden später ist klar, dass das RoRo Schiff wegen starker Winde in der Straße von Hormuz nicht auslaufen kann. Als Kontroll-Freaks werfen wir einen Blick auf unsere direkt runtergeladene Wind-App und können jedoch keine wirklich starken Winde dort erkennen. Wir sind neben allem, natürlich auch hochseeerfahrene Kapitäne, die das beurteilen können 😉. Allerdings sind die, auf dieser Strecke verkehrenden, RoRo Schiffe nicht vergleichbar mit den riesigen, hochseetauglichen Schiffen auf denen Shujaa nach Südamerika oder Afrika verschifft wurde. Hier handelt es sich eher um binnen-schifffahrtsmäßige Frachtkähne mit niedriger Bordwand, wo schon auch mal leicht eine Welle überschwappen kann.

Das gute an Dubai ist aber, dass es ausreichend Hotels, Taxen und sonstige Infrastruktur gibt, um auch ohne eigenes Fahrzeug einen entspannten Aufenthalt zu haben. Und so fangen wir mit unserem Besuchsprogramm an und fokussieren uns auf Dinge, die wir bei unseren letzten Aufenthalten hier noch nicht gemacht bzw. auf die wir besonders Lust haben: Karin lädt mich zweimal exzellent zum Essen ein (und die erste Flasche Wein nach – fast – fünfwöchiger Abstinenz im Iran schmeckt besonders gut), wir fahren auf das höchste Gebäude der Welt – den Burj Khalifa – und tauchen mal wieder in die unendliche Shopping- und Konsumwelt von Dubai ein. Alleine das Beobachten der Menschen, insbesondere der Scheichfrauen in Juwelierläden ist spannend. Auch der Weltausstellung Expo statten wir einen Besuch ab und sind vor allem vom deutschen Pavillon unerwartet emotional bewegt.

Nach zwei Tagen Verspätung kommt Shujaa dann auch endlich an: etwas vom Salzwasser vollgespritzt (es scheint also wirklich Wind gegeben zu haben 😉), aber ansonsten in gutem Zustand. Obwohl wir ja unsere persönliche Immigration längst hinter uns gebracht haben, dauern die Zollformalitäten für die Fahrzeuge über einen halben Tag. Eine so ineffiziente und teilweise auch inkompetente Zollabwicklung haben wir auf unserer Weltreise noch nicht erlebt – trotz Carnet de Passage, welches ja eigentlich den Prozess vereinfachen sollte. Auch das können die Emirate also sein, wenn man etwas vom Standard-Reiseprozess des Normal-Touristen abweicht.

Wir stehen noch ein paar Tage am Al Sufouh Beach: dem tollen, feinsandigen und supersauberen Stadtstrand von Dubai. Das Übernachten von ausländischen Overlander-Fahrzeugen scheint hier wieder toleriert zu werden, nachdem es während Corona verboten war und ein riesiges, nicht übersehbares Schild das Caravan-Verbot aufzeigt. Sind wir ein Caravan???

Wir brauchen neue Reifen und hatten uns im Vorfeld schon welche bei der Contintental-Vertretung in Dubai, zu einem vernünftigen Preis reservieren lassen. Als wir bei Shujaa eine Wagenwäsche bei einem Truckcenter machen lassen, scheint der Zufall uns hold zu sein. Der dort angeschlossene Reifenhändler hat zufällig vier gebrauchte, aber fast neue Conti in unserer Dimension auf Lager – zu weniger als einem Drittel des Neupreises. Natürlich bin ich zunächst skeptisch, schaue auf das Produktions-Datum (keine drei Jahre alt und damit neuer als die preused Reifen aus Militärbeständen, die ich immer in Deutschland mit guten Erfahrungen gekauft habe). Auch gibt es keine sichtbaren Beschädigungen und der Verkäufer versichert mir eine fachgerechte Lagerung zu. Also schlagen wir zu! Was für ein Schnäppchen!

Dass dies ein großer Fehler war, merken wir nach nicht einmal 10 km Fahrt. Es ist mittlerweile 21:00 h abends, dunkel und wir fahren auf dem Sheik Zayed Highway (der am stärksten frequentierten Autobahn in Dubai) zu unserem Beach-Parking zurück… da gibt es einen fürchterlichen Knall und ein Reifen explodiert. Wir rollen langsam aus und sehen, dass es den Reifen völlig zerfetzt hat. Glücklicherweise ist es hinten und bei einem Dreiachser steht das Fahrzeug ja dann immer noch auf drei intakten Reifen. Dennoch, die Lokation ist beschissen für einen Reifenwechsel vor Ort. Die Autos rasen mit 100 km/h nur wenige cm an Shujaa vorbei. Nachdem ich gerade mit Mühen die Wagenheber unter die stark abgesunkene Achse positioniert habe (es ist unglaublich welch ein Unterschied es macht, ob ein Fahrzeug auf einem platten Reifen oder auf einem völlig zerfetzten Reifen und damit nur noch auf der Felge steht), haben wir dann aber dennoch Glück im Unglück. Ein Pick-Up hält an und es stellt sich heraus, dass er ein mobiler Reifenmonteur ist… also Kompressor, Schlagschrauber und alles dabeihat. Damit geht der Reifenwechsel dann, trotz der widrigen Situation, recht schnell. Wir bekommen zwar am nächsten Tag 75% des Reifenpreises zurückerstattet, dennoch ist das Vertrauen in die neuen Reifen stark gesunken. Daher besorgen wir uns beim Continental-Händler drei der reservierten sechs Neu-Reifen, damit wir bei weiteren Reifenproblemen gerüstet sind. Aber auch die verbleibenden drei Reifen werden wir noch herbeisehnen – dazu im nächsten Blog mehr!

So ein Abenteuer – und das ausgerechnet in Dubai. Wer hätte damit gerechnet!

5 Kommentare

  1. Hi wir grüßen Euch aus Costa Rica.
    Da wir auch ein Actionmobil haben lesen wir natürlich euere Berichte mit Inbrunst. 😜
    Wir lesen euren Newsletter seit Beginn eurer Weltreise in Südamerika. Können es kaum erwarten bis der nächste tolle Bericht erscheint.
    Eure vielen schönen Berichte haben uns mit motiviert dass wir unseren Tonkí
    (Actionmobil) 2019 nach Südamerika verschifft haben und dort 9 wunderschöne Monate verbracht haben.
    Nun sind wir nur 2 Monate mit einem Pkw in Costa Rica unterwegs.
    Ab Frühjahr 22 werden wir wider mit unseren Tonki unterwegs sein. Richtung Mongolei soll es gehen.
    Grüße Manfred und Rita

    1. Liebe Rita, lieber Manfred,
      danke für Euren Kommentar. Es freut uns sehr, dass wir Euch inspirieren konnten und Ihr eine tolle Zeit in Südamerika verbracht habt. Da wollen wir irgendwann auch nochmal hin, aber zuerst müssen wir uns noch den ganzen Rest ansehen, dann beginnen wir wieder von vorne 😉
      Es ist gar kein Actionmobil 😉 sieht nur so aus … schaut mal hier.
      Wir wünschen Euch noch gaaaaanz viel Spaß.
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  2. Hallo ihr Zwei, was für ein Pech mit den Reifen. Wir sind gespannt auf Teil 2. herzlich liebe Grüsse Heidi und Werni

    1. Ja, das hat vielleicht genervt. Vor allem weil wir uns zunächst so gefreut hatten, ob des Preises, aber war ja dann auch klar warum … Trotz intensiver Sichtkontrolle war nichts zu sehen. Anyway … Euch alles Liebe!

  3. Toller Bericht und die Bilder sind atemberaubend schön. Bisher war ich noch nie in Dubai. Das mit den Reifen ist immer so eine Sache.
    Wünsche euch weiterhin viel Spaß und freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil. LG Uwe 🙂

    Newsletter bekomme ich schon!

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