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Die Westtürkei: Istanbul, ein bisschen Antike und polarisierende Küste

Istanbul, mit über 15 Mio. Einwohnern, mittlerweile die mit Abstand größte europäische Stadt, empfängt uns mit herbstlichen Temperaturen und teilweise Regen. Von unserem sehr zentralen Standplatz, an einem Parkplatz, unterhalb der Altstadt, direkt am Bosporus erledigen wir zu Fuß zunächst ein paar administrative Dinge.

Der erste Weg führt uns zur iranischen Botschaft, wo wir unser Medizin-Visum für unser nächstes Reiseland abholen (normale Touristen-Visa werden Corona bedingt noch nicht ausgestellt und da muss man halt nach anderen Möglichkeiten suchen). Wir haben zwar schon die Bestätigung mit dem elektronischen Authorization-Code erhalten, aber in den heutigen Zeiten weiß man ja nie…und der Iran ist ja geopolitisch zurzeit auch nicht ganz einfach. Umso erfreuter sind wir, dass wir nach 15 Minuten unsere Visa in der Hand haben und sogar mit Kreditkarte vor Ort zahlen können. Uns wurde erneut bestätigt, dass die Landgrenzen offen sind und unsere Zuversicht, die große Iran-Arabische Halbinsel Tour fahren zu können, steigt weiter. Abends belohnen wir uns angemessen, für diesen kleinen Meilenstein, mit einem Essen in einem der Top-Restaurants Istanbuls.

Nachdem wir noch unsere vom ADAC zugeschickten, neuen Carnet de Passages bei DHL abgeholt haben und Karin’s Handy haben reparieren lassen, können wir uns um das eigentliche Istanbul kümmern. Leider ging das Telefon bei einem Sturz am Vorabend zu Bruch, die bösen Schürfwunden und Prellungen an den Händen, am Schienbein und am Kinn lassen sich leider nicht so schnell reparieren. Begeistert war sie uns navigierend mit dem Blick aufs Handy unterwegs und dann hat es sie voll hingehauen, weil sie den Bordstein übersehen hat.

Wir waren 2013 zu einer klassischen Städtereise schon einmal hier, insofern konzentrieren wir nur auf ausgewählte Themen: die Basare, der Topkapi-Palast, einfach durch die Gassen schlendern und die Stimmung auf sich wirken lassen. Die Mischung aus pulsierendem orientalischem Leben und die Dynamik einer stark wachsenden, multikulturellen und sehr modernen Weltstadt verleiht Istanbul ein ganz besonderes Flair. Neben Rio de Janeiro und Kapstadt ist auch Istanbul eine Stadt, wo wir uns vorstellen können nach unserer Weltreise mal für ein paar Monate zu leben um die Stadt noch intensiver kennen zu lernen. Wir sind wieder total begeistert und Karin würde am liebsten den ganzen Tag mit den Händlern auf den Basaren palavern.

Über modernste Autobahnen und Brücken verlassen wir den Großraum Istanbul… was bei den riesigen Dimensionen naturgemäß etwas dauert… insgesamt haben wir von West nach Ost, ohne große Staus und Verzögerungen, drei Stunden gebraucht. Unvorstellbar. Mehr als São Paolo. So groß ist die Stadt. Sie will gar nicht mehr aufhören.

Mit den antiken Städten Pergamon und Ephesus ist nach Stadtprogramm mal wieder Kultur angesagt. Der Tourismus ist leider wieder in vollem Gange – von unserer zweiten Afrika-Reise sind wir diesbezüglich immer noch „Corona verwöhnt“. Die Sinterterrassen von Pamukkale beeindrucken… allerdings hätten wir sie uns insgesamt grösser vorgestellt, trotz der mit zwei km Länge und 100 Meter Breite bzw. Tiefe absolut betrachtet, durchaus beachtlichen Dimensionen. Viele sind trockengelegt und nicht mehr richtig intakt.

Nach Stadt- und antikem Kulturprogramm sehnen wir uns nach Natur, Einsamkeit und Ruhe. Diese finden wir am Salda Gölü, einem türkisfarbenen Bergsee der aufgrund seiner Farbe auch das „Malediven der Türkei“ genannt wird. Hier verbringen wir einen entspannten Tag, bevor es an die lykische Küste geht. Sie gilt als die schönste Küste der Türkei, fällt doch das Taurus-Gebirge mit seinen über 3.000 Meter hohen Bergen steil an die zerklüftete Küste ab. Bei uns hinterlässt sie gemischte Gefühle. Zum einen enttäuschen die hochtouristischen Gegenden (und hier vor allem der, aus allen Reiseprospekten bekannte, angebliche „Bilderbuchstrand“ bei Fethiye/Ölüdeniz), zum anderen gibt es aber auch durchaus noch charmante Örtchen wie Kalkan, Kas oder der 16 km lange, unverbaute Strand von Patara. Das absolute Highlight für uns an der lykischen Küste ist jedoch das mittelalterliche Fischerdorf Simena, das man nur per Pedes oder per Boot erreichen kann: vor allem abends, nachdem die Touri-Boote wieder weggefahren sind, erlebt man eine tolle Stimmung, die uns an die Fischerdörfer auf den Inseln des Titicacasees oder an einsame thailändische Inseln Anfang der 80er Jahre erinnert. Die lykische Küste: zweifelsohne eine Welt der Kontraste.

Die weitere Küstenstraße nach Antalya kann es hinsichtlich Streckenführung und Aussicht mit den Besten der Welt aufnehmen, bevor dann vor Antalya TUI-Reisebusse, uniformierte Reisehostessen und riesige Hotelanlagen stark zu nehmen. In Antalya selbst verbringen wir nur etwas Zeit für einen Service-Stopp für Shujaa… irgendetwas gibt es immer am Fahrzeug zu tun, trotz umfänglicher Wellnesskur vor Beginn unserer Reise. Und fahren dann aber schnell weiter.

Die Westtürkei überrascht uns: ein solch boomendes, aufgeräumtes, modernes und mit hervorragender Infrastruktur versehenes Land hätten wir nicht erwartet. Europa und vor allem Deutschland muss wirklich aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren… und dafür muss man nicht bis nach China schauen. Wir sind zwar in Asien… allerdings haben wir noch nicht wirklich das Gefühl im Orient zu sein. Aber es geht ja noch weiter gen Osten!

6 Kommentare

  1. Hallo Ihr zwei,
    ich muss Euch jetzt mal ein Riesen Kompliment machen:
    Euer Blog ist in meinen Augen der Beste, den ich bisher unter den Overlandern gefunden habe! Tolle Bilder und ansprechende Texte – einfach klasse!
    Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht auf Geschäftsreisen abends gedanklich ein wenig mit zu reisen, nachdem unser MAN TGM 18.340 noch darauf wartet mal länger als 3 Wochen auf Tour zu gehen. Insofern freue ich mich auf jeden neuen Beitrag von Euch.
    Also keep it up, habt Spass und lasst uns weiter teilhaben.

    Beste Grüße aus dem schönen Schwarzwald

    Eike

    1. Hallo Eike,
      das ist doch mal eine schöne Nachricht. Das freut uns sehr. Zumal auch wir immer wieder darüber sprechen, wieviele qualitativ unterschiedliche Blogs es gibt und auch auf fb und instagram & Co. fällt es schwer wirklich gute Beiträge zu finden, die auch in der Realität reisen, sich nicht nur darstellen und echte Informationen liefern. Deshalb fühlen wir uns sehr gebauchpinselt durch Deine Nachricht. Danke.
      Dann hoffen wir mal, dass aus den drei Wochen mal mehr wird. Aber die Vorfreude ist auch sehr schön, wie wir wissen.
      Wir wünschen dafür alles Liebe.
      Karin & Oliver

  2. Atemberaubende Bilder, vielen Dank für Euren Block.

    1. Danke Dir, dass Du „dabei“ bist!

  3. Ihr Lieben, schöne Erinnerungen kommen beim Durchlesen eures Berichtes bei uns aus als wir vor 14 Jahren die Türkey intensiv bereist haben mit Ararat Besteigung. Geniesst das Land. Herzlich Heidi und Werni

    1. Danke! Und schön, dass wir bei Euch tolle Erinnerungen wachrufen. So soll es sein!
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

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