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Die Osttürkei: Angekommen im wahren Orient!

Nachdem wir die sehr touristische türkische Riviera hinter uns lassen, fahren wir durch das landschaftlich schöne Taurus-Gebirge nach Konya. Diese erzkonservative Stadt gilt – wie viele andere Städte im zentral-anatolischen Hochland – als Hochburg von Erdogan’s AKP. Und so fließt hier viel Geld in den Aufbau überdimensionierter Straßen, topmoderner Apartmentkomplexe und sonstigen Schnick-Schnack. Diese Megastädte verdoppeln fast alle 10 Jahre ihre Einwohnerzahl, da gilt halt „Think Big“. Wir erfreuen uns an der Hauptattraktion, dem Meviana-Kloster mit dem Orden der Sufi, der tanzenden Derwische, in welchem sich der Sarkophag des berühmten Mystikers Celaleddin Rumi befindet, sowie an verschiedenen Moscheen und Basaren. Der Sarkophag des Dichters ist opulent und beeindruckt vor allem Karin sehr, die seine Werke sehr schätzt. Es ist wie ein Wallfahrtsort und in der Stimmung intensiver als manche Moschee.

Weiter geht es nach Osten gen Kappadokien. Wir durchwandern zunächst die Ihlara Schlucht. Die bis zu 150 Meter tiefe Schlucht, welche als der Grand Canyon der Türkei gilt, hatte ursprünglich über 150, in den in dieser Region vorherrschenden Tuffstein gehauene, Kirchen und Wohnungen. Heute sind noch ca. 15 gut erhalten und zu besichtigen. Die gut 10 km lange Wanderung ins Tal ist beeindruckend. Im Kerngebiet Kappadokiens, rund um Göreme, beziehen wir für zwei Tage ein geniales Wildcamp, von wo wir morgens hunderte von Heißluftballons direkt in unserem unmittelbaren Umfeld starten sehen und abends tolle Sundowner zu uns nehmen. Alleine der Sound, den die vielen Ballons machen, ist etwas ganz Besonderes. Kaum ist die Sonne weg, wird es jedoch empfindlich kühl. Das mediterrane Klima haben wir hinter uns gelassen! Tagsüber unternehmen wir Exkursionen in die bizarren Tuffstein-Formationen in der näheren Umgebung, sowie in das weiter südlich gelegene Soganli Tal und gehen überaus lecker lunchen. Ganz Kappadokien, obwohl wieder etwas touristischer, gefällt uns sehr, sehr gut.

Östlich von Kappadokien hört der ausländische Tourismus komplett auf und das Abenteuer kann beginnen: Wir kommen nach Kurdistan – einem Gebiet was sich vom Süd-Osten der Türkei über den Norden des Iraks und Syriens bis hin in die westlichen Zipfel des Irans ausdehnt. Nach Beendigung des türkisch/kurdischen Krieg wird auch in diesem entlegenen Gebiet der Türkei stark investiert, auch um die neue Herausforderung – die Integration von zwei Mio. syrischen Flüchtlingen – zu meistern. Die Militärpräsenz und Straßenkontrollen nehmen deutlich zu, größere Flüchtlingskamps haben wir jedoch nicht gesehen und die syrischen Immigranten erscheinen uns mittlerweile ganz gut integriert in das Alltagsleben.
Die Landschaften werden sehr trocken und wüstenhaft. Trotz der riesigen, künstlichen Aufstauungen der Flüsse Euphrat und Tigris, die gut für die türkische Energieversorgung und Landwirtschaft in diesem kargen Landesteil sind, aber schlecht für die Länder Syrien und Irak am Unterlauf der Flüsse, wo nicht mehr viel Wasser ankommt. Uns gefallen jedenfalls diese weiten, kargen Gebirgslandschaften sehr…. Sie vermitteln unendliche Weite und Sehnsucht nach mehr!

Der Götterberg Nemrut Dagi – dem 2.150 m hohen, windumtosten und größten Grabhügel der Welt, welcher von riesigen Tier- und Götter-Köpfen aus Stein bewacht wird, ergreift uns mit seiner Mystik. Nach Besuch der Stadt Diyarbakir, welche in den 1990iger Jahren die Hochburg des Kurdenkrieges gegen die Türkei war und wo wir ein tolles Lunch für umgerechnet sechs € zu uns nehmen, geht es über die sehr pittoreske Stadt Mardin an die syrische Grenze.

Mich reizen immer sogenannte „War-Zones“ und nachdem wir schon nicht im Kongo und im Sudan während unserer Afrika-Reise waren, möchte ich mir wenigstens hier ein eigenes Bild der Lage machen. Und so fahren wir ca. 80 km unmittelbar (sprich ca. 100-300 Meter) entlang der syrischen Grenze nach Osten. Die Grenze ist hermetisch abgesichert mit einem ca. fünf Meter hohen Betonwall, mehreren Stacheldrahtzäunen und dazwischen wahrscheinlich Mienenfelder. Alle km ein Militärbeobachtungsposten, ausgestattet mit schweren Feuerwaffen – erinnert insgesamt sehr an die Grenze zum ehemaligen Ostdeutschland. Die Stadt Nusaybin ist geteilt: auf türkischer Seite das typische Bild von hochmodernen Apartmenthäusern, neu angelegten Parks etc., auf syrischer Seite alles verfallen und grau in grau… auch hier erstaunliche Parallelen zur ehemaligen deutschen Situation. Aber die Türken interessieren sich nicht sehr für die Syrier. Es gibt nicht einmal Hinweisschilder zu einer Grenze, geschweige denn überhaupt ein Grenzübergang. Uns erscheint es, als ob sie einfach froh sind, wenn sie drübenbleiben. Die Türken in dieser Region haben mehr Probleme mit den Kurden.

Wir fühlen uns hier wie auch überall in Kurdistan bzw. Süd-Ost Anatolien sicher wie selten auf unserer Weltreise und treffen auf sehr nette und hilfsbereite Menschen, die trotz Sprachbarrieren den Kontakt zu uns suchen. Viele christliche Klöster (von armenischen bzw. syrischen Christen gegründet) gibt es in biblischer Umgebung zu besichtigen, anschließend fahren wir weiter gen Nord-Osten zum Van-See. Sieben Mal grösser als der Bodensee und umgeben von vielen ehemaligen Vulkanen ist er unsere letzte Station auf dem Weg in den Iran.

Die Türkei: Neben Kolumbien hat uns bisher noch kaum ein Land so überrascht im Hinblick auf moderne Entwicklung und Infrastruktur. Je mehr man nach Osten kommt, je authentischer und orientalischer wird es und je herzlicher und interessierter werden die Menschen. Ein Highlight auf unser noch recht kurzen Reise in den mittleren Osten. Wir sind sehr auf den Iran gespannt!

15 Kommentare

  1. Hallo ihr beiden

    Ich sehe gerade ihr seid auch im Iran unterwegs. Eine Woche älter eintrag an der 59 Teheran Kaspisches Meer.

    Wie geht’s bei Euch weiter? Türkei?Oman?

    Ich mache gerade einen Tag Regenpause, dann Teheran .
    Weiter nach Süden.

    Lg, Sascha

    1. Hallo Sascha,
      schön zu hören, dass Du auch hier bist. Das Land ist sensationell. Wo bist Du jetzt? Gerne per E-Mail, das ist einfacher. Wir sind auf dem Weg nach Shiraz und haben dort einen Arzttermin.
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

    2. Hallo Ihr Zwei,

      ich sitze gerade bei 8 Grad und Regen in Bonn auf Geschäftsreise und fröne meiner Leidenschaft, Euren Blog zu lesen. Klasse!!!
      Die Bilder vom MAN in der Türkei hätte eine professionelle Agentur nicht besser shooten können!
      Wunderschön die Kombination von Natur und Leidenschaft zum Mobil!
      Ich freue mich auf jeden Eurer Beiträge!
      Herzliche Grüße

      Eike

      1. Hi Eike,
        vielen Dank für Deine netten Worte. Das freut uns natürlich sehr. Ja, wir fotografieren unseren Shujaa immer gerne, weil er oft einfach ein guter Kontrast ist. Und danke, dass Dir unser Blog gefällt.
        Liebe Grüße
        Karin & Oliver

  2. Hallo Oliver, mal wieder eine tolle Beschreibung eurer Erlebnisse. Inzwischen seid ihr ja im Iran. Gerade hier muss ich an meine Tätigkeit im Iran denken. Ich habe ja die Gleise im Hafen Bandar Abbas gebaut und dabei den Iran vom Norden bis zum Süden bereist. Ein wunderbares Land, ich bin auf euren Bericht gespannt. Liebe Grüße, Iggy und Wolfgang

    1. Hallo Iggy und Wolfgang,
      vielen Dank für Euren Kommentar, das ist ja nett.
      Erste Eindrücke sind tatsächlich faszinierend, vor allem die Hilfsbereitschaft der Menschen. Allerdings im Organisatorischen Bereich chaotisch. Von Bandar Abbas werden wir dann in die VAE verschiffen und werden dann vor Ort mal die Qualität der Gleise inspizieren 😉
      Liebe Grüße
      Oliver

  3. Absolut phantastische Bilder! Mit den Heissluftballos sieht es richtig mystisch aus. Alles Gute, Glück und Gesundheit für die Weiterreise! In Gedanken mit Euch reisend, Moni

    1. Liebe Moni,

      danke Dir für Deinen lieben Kommentar. Ja, das war es auch -mystisch- aber auch wegen der Geräusche. Die waren zusätzlich unglaublich stimmungsvoll, obwohl es „nur“ Gas im Ballon war 😉

      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  4. Ihr Lieben, das sieht ja überaus beeindruckend aus. Und ich finde es tatsächlich exotischer als Südamerika und Afrika…. weil ganz neu und ganz unbekannt. Super interessant geschrieben und wie immer tolle Fotos! Shujaa umgeben von Heissluftballonen – Weltklasse! Bin auch schon gespannt auf Eure nächsten Erlebnisse im Iran.

    1. Vielen Dank, liebe Kiki! Ja, in der Tat, das ist alles anders. Aber das ist es an sich ja immer, dennoch schiesst Iran den Vogel ab, glaube ich. Nach nur zwei Tagen sind wir völlig begeistert von den Menschen. Kappadokien war definitiv ein Highlight, aber alles, nicht nur die 🎈!
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  5. Sehr interessant! Ich bin immer wieder begeistert von euren Berichten. Vielen Dank für‘s mitnehmen.

    1. Sehr gerne! Und es freut uns sehr, Denise, dass Du Freude daran hast. Das motiviert!

  6. Hallo Ihr Weltenbummler komm grad aus Armenien und hab Ähnliches erlebt. Tolle Bilder. Weiter gesunde und sichere Reise! Freut Euch auf den Iran!

    1. Danke. Da warst Du ja in der Nachbarschaft 😉
      Ja, wir sind erst zwei Tage hier und sind völlig geflasht.
      So nett und zuvorkommend, man bekommt als typisch Deutscher ein richtig schlechtes Gewissen. Und man lernt aber auch …;-)
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  7. 👍👍👍

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