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Der Süden Irans: Über die Berge nach Shiraz und an den Persischen Golf

Richtung Süden liegt die weltbekannte Ausgrabungsstätte Persepolis auf unserem Weg. Sie ist von Dimension, Erhaltungszustand und Schönheit, im Vergleich mit den bekannten, von uns besuchten Ausgrabungsstätten in der Türkei und Griechenland, noch beeindruckender. Besonders die Feinheiten der Steinarbeiten faszinieren.

Über die Berge fahren wir nach Shiraz: Sie ist als Hauptstadt der Gärten bekannt, gilt als Hort des Wissens und der Poesie, wo Saadi und Hafis – die bekanntesten nationalen Dichter – wirkten und begraben liegen. In der Tat wirkt die Stadt sehr kultiviert, ausländische Touristen sehen wir jedoch auch hier nicht. Neben dem Sightseeing der bekannten Sehenswürdigkeiten verlängern wir auch völlig problemlos unser Medizinvisum. Jetzt könnten wir bis Anfang Dezember bleiben, wenn wir wollten.

Wir hatten zuvor ja schon erwähnt, dass das sehr zuvorkommende, rücksichtsvolle Verhalten der Iraner per se sich in keiner Art und Weise im Straßenverkehr widerspiegelt: jeder fährt völlig unkoordiniert, drängelt und versucht sich auf egoistischste Weise durchzuwühlen. Als wir aus Shiraz rausfahren, passiert das, was irgendwann passieren musste, an einem Kreisverkehr. Erst hören wir ein dumpfes, nicht näher identifizierbares Geräusch – ein scheppernder Kanaldeckel vielleicht? Dann ein weiteres, lauteres Geräusch. Beide wissen wir nicht woher es kommt, ob es uns betrifft, aber wir halten mal an. Als wir aussteigen, sehen wir das Unglück: eine ältere Dame hat sich mit ihrem kleinen Peugeot in iranischer Weise schnell noch auf den Kreisel gedrängelt und gehofft das wir irgendwie anhalten oder ausweichen (Anmerkung: auch im Iran haben die, sich schon im Kreisel befindlichen Fahrzeuge, Vorfahrt – in diesem Falle wir!). Wir haben sie aber, da im toten Winkel vorne rechts unten von Shujaa, überhaupt nicht wahrgenommen. Die Frau sitzt nun mit Schock benommen im Auto und ist erst gar nicht ansprechbar. Die ganze Seite ist eingedrückt, die Scheiben geborsten und die Splitter sind im ganzen Innenraum verstreut. Glücklicherweise scheint ihr, neben dem Schock, nicht viel passiert zu sein und sie spricht sogar etwas Englisch. Karin kümmert sich um sie und versucht sie zu beruhigen. Bei Shujaa gibt es nur ein paar Kratzer an der Stoßstange…. Size matters!

Obwohl man uns klar die Vorfahrt genommen hat, schwant uns schon – nach unseren Unfall-Erfahrungen in Tansania und mit den ganzen hiesigen Sprachproblemen – Böses mit der Polizei und der weiteren Abwicklung, so dokumentieren wir alles so gut es geht mit Fotos. Aber weit gefehlt. Als endlich der Polizist vorbeikommt, will er nur wissen, wer von wo kam und dann ist für ihn die Schuldfrage klar. Es gibt noch einen kleinen Anschiss an die Unfallverursacherin und dann ist er auch schon wieder verschwunden. Mittlerweile ist auch Sohn und Freundin der armen Frau vor Ort und so können wir uns mit gutem Gewissen auf die Weiterfahrt machen. Viel Glück gehabt… und die Kratzer lassen sich aus Shujaa’s massiver Stahlstoßstange auch ganz gut wieder rauspolieren!

In den Bergen von Shiraz, in toller Landschaft, erholen wir uns vom Stress – der erste Schnee fällt um uns herum und es wird richtig herbstlich. Wir beginnen die Überfahrt von Bandar Abbas – der iranischen Hafenstadt an der Straße von Hormus – in die V.A.E. zu organisieren. Wie immer in der heutigen Zeit gibt es keine aktuellen Erfahrungen von anderen Overlandern und die Infos sind sehr widersprüchlich, ob dies überhaupt möglich ist. Manche sagen nein, andere „Fahrzeug ja, Passagiere nein und nur per Flieger“. Letzteres scheint sich auch als valide Möglichkeit für uns herauszukristallisieren und so fahren wir guter Dinge Richtung Persischen Golf. Auf dem Weg besichtigen wir in Rayen noch eine alte Festung, die vor den schneebedeckten 4.000endern ein tolles Fotomotiv abgibt.

Die letzten Tage unseres fünfwöchigen Aufenthaltes im Iran verbringen wir auf der Insel Qeshm: einer Freihandelszone, welche Ausländer auch ohne das aufwändige Iran-Visum besuchen dürfen. Insbesondere die interessanten geologischen Formationen und das sommerlich warme Wetter – ein Kontrast, nach den schon sehr herbstlichen Temperaturen des iranischen Hochlandes – begeistern uns und bilden einen schönen Abschluss des Irans.

Während wir die tollen fünf Wochen in diesem Lande Revue passieren lassen, schauen wir von unserem Stellplatz am Strand den Schmugglern zu, wie sie Schafe von Pick-Ups auf kleine Boote verladen und über die Straße von Hormus in den Oman verschiffen. Auch dabei sind sie sehr freundlich zu uns und heißen uns willkommen.

Iran, ein Traum-Reiseziel mit wahnsinnig herzlichen Menschen, toller Kultur und spektakulären Landschaften, welches für uns in keiner Weise, auch nur Ansätze, des sehr negativen, medialen Images widergespiegelt hat. Lediglich etwas abwechslungsreicheres Essen (Kebab, Kebab und nochmals Kebab) sowie von Zeit zu Zeit einen leckeren Wein haben uns gefehlt.

Natürlich hatten wir nach Shiraz die berühmte Wüste Lut noch auf dem Plan, aber dazu gibt es einen extra Bericht.

 

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