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Die Mitte Irans: Persische Hochkultur in Reinform

Wir sind froh, den Molloch Teheran verlassen zu haben, und steuern eine der drei großen Pilgerstätten des Irans an: Ghom, das erzkonservative Zentrum der Schiiten. Quasi die iranische Synthese aus Oxford, Vatikan und Altötting. Die von uns besuchte Grabstätte Fatimas (die Tochter des 7. und Schwester des 8. Imams, um genau zu sein 😉) wurde über die Jahrhunderte immer mehr zum schiitischen Nationalheiligtum ausgebaut. Karin braucht ewig, bis sie aus der Umkleide kommt. Mit Touristen rechnen sie wohl gerade nicht, so muss erst ein Tschador für sie besorgt werden. Die Moscheeanlage, sowie das Mausoleum, haben erneut riesige Dimensionen und sind mit ihren prachtvollen Mosaiken in ihrer Schönheit kaum zu übertreffen. Unser Führer schenkt Karin zum Abschluss einen Gebetsstein, den er extra für sie gekauft hat. Das ist der Iran!

Bevor wir nach Kashan fahren, machen wir noch einen Abstecher nach Maranjab in der Wüste Kavir. Salzseen, Dünen und alles was eine Wüste halt so auszeichnet. Leider, da Freitag, auch sehr viele Iraner bei ihrem Lieblingshobby – dem Picknicken – sowie beim leidenschaftlichen Dünen-Fahren mit Jeeps und Quads, fast wie die Araber. So kommt das von uns geschätzte, einsame Wüstenfeeling nicht ganz so auf!

Kashan, am Rande der Wüste Kavir, hat sich in den letzten Jahren als begehrter Zweitwohnsitz für vermögende Tehraner entwickelt und besitzt neben einem sehr stimmungsvollen Basar, tollen Moscheen, perfekt renovierte alte Handelshäuser auch eine sehr lebendige Kunstszene. Karins Bekannte aus Tehran, welche wir vor drei Tagen dort erst besucht haben, ist mittlerweile auch in ihrem Haus in Kashan angekommen, und so lernen wir schnell viele sehr interessante Menschen kennen und können uns vor Essenseinladungen kaum retten. Eine tolle Stadt und wir parkieren mit Shujaa mittendrin.

Bevor es weitergeht, tanken wir mal wieder: 6 Euro für 200 Liter Diesel! Das ist jedes Mal eine Freude!

Isfahan, die Stadt der Städte im Iran, ist unser nächstes Ziel. Trotz ihrer, mit drei Mio. Einwohnern, auch nicht gerade kleinen Größe, gestaltet sich unsere Stellplatzsuche viel einfacher als in Tehran und wir haben ein tolles Street-Parking, in einer zentral gelegenen, aber sehr ruhigen Luxuswohngegend. Mansour, ein Bekannter von guten Overlander-Freunden, kümmert sich die nächsten zwei Tage fast rund um die Uhr um uns. An einem Abend fahren wir auch vor die Tore Isfahans, zu Freunden von Mansour, und haben einen tollen Abend mit selbst gegrilltem Kebab und anderen Leckereien.

Nachts haben wir dann das erste Mal Kontakt mit der sogenannten „Geheimpolizei“: sie holt uns aus den Federn, will alles genau wissen (woher, wohin, wieso etc.) und hatte wohl auch Shujaa schon länger, vor unserer abendlichen Ankunft beobachtet: jedenfalls wollten sie wissen, wer uns circa zwei Stunden zuvor dort abgeliefert hat (Mansour). Alles läuft sehr höflich, korrekt und mittels Google-Übersetzer ab, und nach 20 Minuten dürfen wir dann weiterschlafen.

Viel hatten wir über Isfahan gelesen, aber dass die persische Pracht so ausgeprägt sein kann, hätten wir nicht gedacht. Die Bilder sprechen für sich und das allerbeste: wir dürfen es als fast einzige Touristen genießen, überall ist es leer und die Menschen freuen sich ganz besonders über unseren Besuch…. Ähnlich wie wir es schon während der Pandemie-Zeiten im östlichen Afrika erleben durften!

Nach so viel Städte-Sightseeing (immer sehr anstrengend) und Socializing dürsten wir nach Einsamkeit und Ruhe: diese finden wir in der Wüste östlich von Varzaneh, bei einer alten, einsamen Karavanserei. Hier verbringen wir einen Tag und zum Abschluss haben wir das Highlight des Tages: ein Sundowner auf der Dachterrasse der Karvanserei.

Durch völlig einsame Landschaften geht es weiter nach Osten und wir nähern uns wieder der Wüste Kavir: toll erhaltene, aber verlassene Lehmstädte, wie Kharanaq säumen unseren Weg, bevor wir Yazd erreichen.

In dieser bekannten Wüstenstadt, mit ihren markanten Windtürmen und ihrer komplett aus Lehm gebauten Altstadt, merken wir erstmalig, wie leer derzeit, die rein auf ausländische Touristen ausgerichteten Destinationen sind. Leider sind hier auch viele Restaurants und einige Sehenswürdigkeiten geschlossen. In den zuvor besuchten Städten sorgten die Iraner bzw. der inländische Tourismus für ein angenehmes „Grundrauschen“, aber die Altstadt von Yazd ist ausgestorben. So machen wir uns etwas schneller als geplant auf in den Süden, Richtung Shiraz.

4 Kommentare

  1. Ihr Lieben, wir sind (wieder einmal) schwer beeindruckt. Welch eine Pracht und dann auch noch so exklusiv, das ist ja kaum zu toppen. Und beeindruckt auch von Euch, wie Ihr alles so gut meistert – weiterhin viel Glück!

    1. Ach ja, es ist einfach herrlich hier. Unbedingt zu empfehlen Nachzumachen ;-). DANKE!

  2. Tolle Bilder! Da werden viele Erinnerungen wach! Weiter schöne Reise

    1. 🙏

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