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Ein ganz besonderes Volk: „Supa“ (Hallo) Maasai

Dass ich die Exotik mag und suche, wissen meine Freunde. Deshalb war ich zu Beginn unserer Weltreisepläne besonders gespannt auf die verschiedenen Naturvölker – und insbesondere die Maasai.

Die Maasai sind ursprünglich ein Nomadenvolk, von dem man annimmt, dass es aus dem Sudan in die Steppen Nordtansanias und Südkenias eingewandert ist. Sie sind hauptsächlich im und um den Ostafrikanischen Grabenbruch (Rift Valley) zu finden. Das heißt, sie leben in und um der Serengeti, der Maasai Mara und dem Amboseli Nationalpark. Bisher konnte das stolze und kriegerische Volk ihren Lebensraum recht gut bewahren, aber vermehrte Abholzung (Versteppung), Klimawandel (wenig Regen, wenig Futter für die Tiere) und Politik (Vorzug anderer Völker durch Subvention des Ackerbaus) stellt sie inzwischen vor große Herausforderungen.

Sie leben in Familienverbänden als Clan zusammen. Dazu bauen sie ein Dorf das durch Dornengestrüpp umrundet wird, zum Schutz vor wilden Tieren. Im Kral stehen die einzelnen Hütten (Bomas), die von den Frauen aus Holz und Kuhdung gebaut werden. Fenster gibt es keine, zum Schutz vor der Hitze. Das Haus hat in der Mitte eine Feuerstelle und Betten drum herum, so auch ein Gästebett – in jeder Hütte, egal wie arm die Menschen sind. Denn durch die Wanderschaft der Hirten wird so gewährleistet, dass jeder „Reisende“ ein Schlafplatz bei einem Freund aus seiner Altersklasse hat. In der Mitte des Krals befindet sich ein schützender Pferch, in den abends das Vieh getrieben wird.

Kinder werden früh ihren Aufgaben zugewiesen. So sieht man täglich kleine Jungs, manchmal mit gerade mal fünf Jahren, große Ziegen- und Rinderherden über die Steppe treiben. Zwischen vier und fünf Jahren werden den Kindern die unteren beiden Schneidezähne gezogen, die nachkommenden später auch. Das gilt als Schönheitssymbol.

Die Maasai sind in Altersklassen organisiert. Zwischen 15-25 werden die Jungen beschnitten und zu Kriegern ausgebildet. Dies geschieht nur alle fünf bis acht Jahre. Somit gibt es große Gruppen von Männern, oft über 100, die sich in einer Klasse zusammenfinden und sich über die Clans hinweg, auch in entfernteren Gegenden, kennen.

Die Mädchen werden zwischen 12-16 Jahren beschnitten und dann verheiratet. Leider hat diese alte Tradition auch hier noch Bestand, wird jedoch glücklicherweise zunehmend hinterfragt. Frauen kümmern sich um den Hausbau, das Kochen, die Wasser- und Holzbeschaffung, sowie natürlich die Kinder.

Die Rinder sind die Lebensgrundlage für die Maasai. Ihr Reichtum bemisst sich an der Zahl der Rinder. Geschlachtet werden sie selten und nur zu besonderen Anlässen. Da wichtige Nahrungsmittel Milch und Blut sind, werden die Rinder gemolken und ein kleiner Schnitt an der Halsschlagader der Kuh gemacht, Blut entnommen und anschließend wieder verschlossen. Milch und Blut werden gemischt und getrunken. Die Hirten ernähren sich so über Wochen in der Steppe.

Der Maasaigott Engai hat alle Rinder der Erde den Maasai zugeteilt, daher kam es früher auch immer wieder zu gewalttätigen Raubzügen gegen Nicht-Maasais, da sie daraus ihr Recht ableiteten anderen Völkern gewaltsam die Rinder abzunehmen.

Im Laufe unserer Reise durch Tansania und Kenia haben wir besonders viel und intensiven Kontakt zu dem stolzen Halbnomadenvolk. Immer wieder begegnen wir ihnen unterwegs, aber auch an Übernachtungsplätzen kommen viele vorbei, um sich vorzustellen und ihre eigene Neugierde zu befriedigen. Und meine.

Eine besondere Eigenschaft fällt uns schnell auf. Sie sind extrem respektvoll und zurückgenommen. Untereinander, aber auch gegenüber uns. Während andere Völker uns oft Nase an Nase belagern und uns nicht mehr von der Seite weichen, stehen die Maasai zwar um uns herum, weil sie einfach neugierig sind, aber mit gebührendem Abstand und nach einer gewissen Zeit gehen sie auch wieder.

An einem unserer Übernachtungsplätze im Maji Moto Maasai Cultural Camp erleben wir in authentischer Weise, wie die Maasai leben. Unter anderem waren wir auch dabei, wenn ältere Männer ihre Kinder und andere jüngere Personen segnen, indem die jüngere Person den Kopf leicht neigt, um diese Absicht anzuzeigen, und er kurz die Hand auf den Vorderkopf auflegt. So treffen wir einen uralten Mann, der ab und zu zur Quelle geht, um sich zu waschen, und der mich segnet. Das ist ein unglaublich erhebendes Gefühl, denn der Mann strahlt nur so von Weisheit. Und prompt kommen 30 Minuten später zwei Kinder, die auch von mir, gesegnet werden wollen. Einfach wunderschön, diese Geste. So lasse ich mich im fortlaufenden Kontakt immer von den Ältesten, die neugierig zu unserem Übernachtungsplatz kommen, segnen. Das kommt immer sehr positiv an und führt zu interessanten Gesprächen.

Wir machen mit zwei Maasai eine Wanderung in die nahegelegenen Berge mit einer atemberaubenden Aussicht. In dieser Zeit erleben wir die Maasai sehr intensiv. Wie sie gehen, was sie sagen, welche Geräusche sie mit ihren Herden machen, um sie anzulocken und sie zu leiten, wie sie miteinander umgehen. Wie sie lange, auf dem Fels sitzend, in die Ebene schauen und man förmlich spürt, wie sie auf ihr Land und ihr Leben stolz sind. In diesem Moment habe ich das Gefühl, dass die Maasai viel Ähnlichkeit haben mit den Indern, was mir später auch bestätigt wird.

An einem anderen Übernachtungsplatz lernen wir zwei Hirten kennen, die „auf Reisen“ sind, also ihre Rinder von einem fruchtbaren Land zum nächsten treiben, und in der Nacht die Rinder nur in Pferche halten, um sie zu schützen. Ich fotografiere viel und folge ihnen auch in die Pferche. Einmal mache ich Bekanntschaft mit der unglaublichen Willenskraft der Maasai, denn der Hirte ist zunächst sehr zurückhaltend. Als ich dann meine Fotos mache, was ok ist, und sie ihm zeige, packt er mich dermaßen fest am Oberarm und zeigt mir mit Gesten, dass er alle Fotos im Fotoapparat sehen möchte. Ich bekomme fast ein wenig Angst, da der Gesichtsausdruck, die Geste und seine Präsenz dermaßen überwältigend sind. Ich zögere nicht lange und zeige sie ihm gerne. Für mich ist das ein sehr starkes Statement.

Ich, als Frau, bin natürlich völlig begeistert von dem Schuck den sie tragen, sowohl die Männer als auch die Frauen. Nun man muss natürlich auch sagen, das die bunten Perlchen auf der schwarzen Haut viel schöner kontrastieren als auf meiner und ich starre jedes Mal auf die Menschen, die sich so schön schmücken. Die Kügelchen an den ausgeweiteten Ohrläppchen an den kahlgeschorenen Köpfen, die vielen Perlenreihen am Hals, manchmal mit den großen, runden Perlenscheiben, aber auch die bunten, breiten Bänder mit hübschen Mustern verziert an beiden Fußknöcheln und an den Handgelenken sowie an den Oberarmen. Aber auch die dekorativen Karotücher (Shouka), mit denen sie sich einschlagen und sich immer wieder über die Schulter werfen, sind schön und ästhetisch anzusehen. Einfach majestätisch.

Und ich bin fasziniert wie sie miteinander umgehen. Das Zusammenspiel von Fremdartigkeit, Respekt, Stolz und Geradlinigkeit ist für mich eine geheimnisvolle Mischung, die es mir sehr angetan hat. Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt und viele von uns werden den Film „Die weiße Maasai“ kennen. Deshalb unterliege ich keiner romantischen Illusion, aber als Naturvolk, mit ihren Ritualen, ihrem Leben und was man zu sehen bekommt, empfinde ich sie immer noch als sehr authentisch und wunderschön anzusehen. „Ashe oleng“ (Vielen Dank) für die schönen Eindrücke.

3 Kommentare

  1. Hallo Karin & Oliver
    danke, das hilft sehr.

    Wir denken ohne Quad ist man zu begrenzt.

    Liebe Grüße
    Jürgen

  2. Hallo Ihr Zwei,
    super Bilder und klasse Berichte und Videos eurer Reisen.
    Auch die Berichte über eure Vorbereitungen sind sehr sehr hilfreich.

    Da wir gerade unser Fernreisemobil auch auf einem 3-Achser MAN planen und immer wieder an der Kabinenlänge feilschen möchte ich doch nach euren vielen Reisen und Zielen wissen, ob Ihr wieder diese Fahrzeuglänge wählen würdet.

    …oder machen 30-40 cm mehr oder weniger keinen Unterschied?

    Weiter so und spannende Reise.
    LG Jürgen

    1. Hallo Jürgen,

      danke für Deine Nachricht und Dein Kompliment.

      Für uns machen die 30-40 cm keinen Unterschied, und ja, wir würden wieder diese Größe wählen, wenn wir ein Quad dabei haben. Ohne Quad nicht.

      Hoffe das hilft …

      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

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