2018BrasilienSüdamerika

Der Traum vom Kiten – eine neue Herausforderung!

Früher liebte ich das Windsurfing: bin während der Bundeswehrzeit in Köln fast jedes Wochenende nach Holland gefahren, später von München viel an den Gardasee. Aber irgendwie ist der Kick über die Jahre verloren gegangen: viel Flaute und wenig gleiten, große Materialschlachten etc. Was liegt näher, als an dem unbestritten besten Kitesurfrevier weltweit – der Nordostküste Brasiliens – diese neue Sportart zu lernen. Vor allem nachdem Karin mir eröffnete, dass sie auch dabei sein möchte. Was gibt es schöneres als mit 50 noch eine neue Sportart gemeinsam zu erlernen?

Von anderen deutschen Overlandern (Sabine und Rallo) haben wir eine von einem deutschen Lehrer geführte Kitesurfschule in Macapa empfohlen bekommen. Als wir unangemeldet ankommen, ist keiner da und die Station macht einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Nachdem wir einmal mit Shujaa etwas ratlos durch den Mini-Ort durchgefahren sind (hier sagen sich wirklich Hund und Katze gute Nacht), hat sich sofort herumgesprochen, dass ein großes deutsches Expeditionsmobil suchend vor der Kiteschule stand und auf dem Rückweg ist Manuel – der deutsche Stationsleiter – vor Ort. Obwohl die Station offiziell noch gar nicht geöffnet ist, hat er Zeit und Lust für einen Kurs und lehrt nach deutschem Standard gemäß den Richtlinien des VDWS. Wir fahren mit Shujaa über den Strand und parken für die nächsten 7 Tage auf der Meeresseite der Kitestation (so lange standen wir noch nie an einem Ort).

Es hackt jeden Tag mit bis zu 35 Knoten, glücklicherweise gibt es ein halbwegs windgeschütztes Deck, wo wir uns mit unseren Campingstühlen-/Tisch, Grill und unserem Zweitfahrzeug Shujoo häuslich einrichten. Da dieser Mini Ort gerade in der Nebensaison in 5 Minuten erkundet ist, kann man die nächste Woche perfekt unter dem Motto „chillen & entspannen“ zusammenfassen. Wir sind jeden Tag mit Manuel 3-4 Stunden auf dem Wasser und der Fortschritt stellt sich auch ein. Am fünften Tag gelingt der Wasserstart bei uns schon ganz gut und wir haben die ersten Gleit-Erlebnisse. Wir üben in einer seichten Lagune, die dummerweise bei sich nähender Ebbe noch seichter wird. Bei einem der unvermeidbaren Stürze komme ich mit meinem linken Fuß voll im seichten Wasser auf. Ein wirklich heftiger Aufprall mit der Ferse. Zunächst scheint alles i. O. und ich surfe noch zwei Stunden weiter. Am Nachmittag habe ich jedoch einen dicken Elefantenfuß, die Bänder im Fußgelenk scheinen böse gezerrt zu sein. Ich kann kaum mehr laufen und auch am nächsten Morgen sieht es nicht besser aus, so dass wir ziemlich gefrustet zusammenpacken und weiter fahren…. Zu gerne hätten wir in diesem Lernstadium noch ein, zwei Tage für uns selber ohne Lehrer geübt, um das bisher Gelernte zu zementieren. Aber schlussendlich überwiegt die Vernunft: Weitermachen macht wirklich keinen Sinn und bei einem weiteren Sturz hätte ich mir dann die Bänder gerissen – das letzte was ich auf der Weltreise gebrauchen kann.

Auch Karin hat mehrere beachtliche Schleuderstürze teilweise über mehr als 10 Meter in der Luft hingelegt und leichtere Blessuren davon getragen. Insofern ist unser Fazit nach 5 Tagen Kitesurfing etwas indifferent: es macht uns wirklich Laune und wir sind auch überzeugt, in absehbarem Zeitraum ein Leistungs-Level zu erreichen, der uns richtig Spaß macht. Auf der anderen Seite ist das Verletzungsrisiko nicht unerheblich, so dass wir uns die Frage stellen, ob wir diesen Sport während unserer Weltreise unbedingt erlernen sollen, wo natürlich die Einschränkungen von Verletzungen ungleich höher sind als z. B. von einem anderen Standort wie von Mallorca aus.

Jericoacoara – unser nächstes Ziel – ist einer der international bekanntesten Windsurf- und Kitespots auf der ganzen Welt. Früher war es ein hipper Aussteigerort an einem der schönsten Strände Brasiliens, wo die Kühe und Ziegen durch die immer noch ausschließlich vorhandenen Sandstraßen wanderten und Joints an jeder Ecke erhältlich waren. Heute kommt neben den nach wie vor vorhandenen Wind- und Kitesurfern auch der internationale Jet-Set und genießt die super-chillige Atmosphäre in den teilweise sehr stylischen 5-Sterne Hotels. Dementsprechend kontrovers wird der Ort auch in der Overlander-Szene diskutiert, für viele ist es eine große Enttäuschung. Wir lieben die Diversity und deswegen finden wir Jeri auch toll: alleine die Anfahrt mit Shujoo – unserem Quad – durch den Nationalpark über die Dünen ist ein Spektakel. Kaum zu glauben, dass ein solcher Ort mit perfekt funktionierender Infrastruktur nur per Quad, Buggy oder Geländewagen über die Dünen bzw. entlang eines Strandes zu erreichen ist und die Versorgung trotzdem super klappt. Der Ort selber ist autofrei – nur die Einwohner dürfen mit Fahrzeugen durch die tiefen Sandstraßen fahren. Wir genießen den Tag: Karin kauft sich einen tollen Bikini „Brasilian Style“ samt zugehöriger Häkel-Weste und geht damit in Kombination mit ihrer mittlerweile tiefen Bräune als waschechte Brasilianerin durch. Wir hängen im Beachclub ab und schlürfen wieder einmal die tollen Caipis (irgendwie machen sie süchtig) und schließen den Abend mit einem tollen Abendessen. Mit einem guten Alkoholpegel suchen wir anschließend Shujoo im Dunkeln, den wir ja vor einem halben Tag außerhalb der für den externen Verkehr abgeriegelten Stadt geparkt haben. Die 20 km Rückfahrt zu Shujaa über die Dünen ist wieder spektakulär (alles ist stockdunkel, nur die Sterne leuchten über uns) und anspruchsvoll zugleich: wir haben glücklicherweise auf der Hinfahrt unser Navi laufen lassen, so dass wir jetzt genau den gleichen Track zurückfahren können. Eine Orientierung im Stockdunkeln in den Dünen wäre unmöglich. Was für ein Tag und ja – wir finden Jeri toll!

Am nächsten Morgen verbringen wir noch ein paar Stunden an der tollen Lagune bei unserem Camping in Jicoa de Jericoacoara (der neue Bikini von Karin muss natürlich zeitnah vorgeführt werden), verabschieden uns dann voraussichtlich endgültig von Sabine und Rallo mit ihren Zwillingen, mit denen wir über die letzten knapp 2 Wochen mehr oder weniger parallel gereist sind (ja, auch zu so etwas sind wir mittlerweile fähig) und peilen den nächsten Kite-Spot an.

Paracuro kurz vor Fortaleza ist wieder Kiten pur ohne shi-shi. Wir parken direkt hinter dem Restaurant und Surfspot und machen einen schönen Strandspaziergang. Die Leidenschaft, mit Kiten weiter zu machen ist schon da. Karin’s leichten Schwächeanfall bekommen wir mit 2 Caipis schnell wieder unter Kontrolle. Unser Leben und Reisen hier im Nord-Osten in Brasilien hat sich irgendwie völlig geändert gegenüber den ersten 11 Monaten….

6 Kommentare

  1. wir haben euer Womo in Quebra Mar (Paracuru ) stehen sehen und dachten uns schon, daß ihr das sein könntet. Nachdem wir sehr früh am Kitespot waren (früher Vogel fängt die Welle) und ihr scheinbar noch nicht auf wart, haben wir uns verpaßt. Als wir vom Wasser kamen, wart ihr schon weg. Falls ihr nochmals herkommt, könnt ihr euch ja mal melden. Wir sind 3 Monate hier und jeden Tag beim Kiten…Auch wir haben uns nach der ein oder anderen Rippenprellung die Frage gestellt, ob wir doch besser beim Windsurfen bleiben sollten und Kiten wirklich der richtige Sport ist…
    Wir sind übrigens die Aussteiger der anderen Art, Freunde vom Enzi, vielleicht kann Karin uns zuordnen.
    Viel Spaß noch in BRASILIEN
    Sonja und Christian

    1. Liebe Sonja, lieber Christian,
      schön von Euch zu hören und schade, dass wir uns so knapp verpasst haben. Das wäre sicher ein Spaß geworden. Ja Peter hat mir einmal von Euch erzählt, klar. Und haben wir uns nicht auch einmal kurz getroffen??? Leider sind wir auf dem Weg in den Süden und nicht mehr in „Eurer“ Gegend. Wirklich schade …
      Liebe Grüße Karin & Oliver

  2. Tolle Fotos, kiten ist einfach das Beste 🙂 Hoffe Ihr bleibt dran, Ihr werdet belohnt !!

    1. Momentan ist es echt ein Geduldsspiel, aber ich denke schon. Jetzt muss erstmal der Knöchel von Oliver heilen und wir sind ja noch ein paar Wochen hier in DER Kitegegend. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

  3. Hallo Ihr beiden Beach-Beauties! Super schöner 👙 liebe Karin und coole Kitebilder… man kann die chillige Atmosphäre förmlich spüren. Und die Strände sind ja wirklich ein Traum… da bekomme ich sofort wieder Fernweh. Finde es toll, wie wahnsinnig abwechslungsreich Ihr Eure Tour gestaltet und hoffe, lieber Oliver, dass es Deinem Fuß schnell wieder ganz gut geht!

    1. Danke liebe Kiki. Ja, diese Art der Abwechslung hat uns fast selbst überrascht. Jetzt machen wir mal locker 3 Monate Strandurlaub 😉

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