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Berührende Begegnung mit Nana – der Elefantengroßmama des Thula-Thula Tierreservates

Von Freunden wurde uns, als eine Afrika-Lektüre, das berühmte Buch von Lawrence Anthony „Der Elefantenflüsterer“ empfohlen. Lawrence, ein begnadeter Tierschützer, setzte seinen Lebenstraum um, kaufte 1998 ein vernachlässigtes Wild-Reservat im Zulu-Land, südlich des bekannten Hluhluwe – Umfolozi N.P. Gleich zu Beginn erklärte er sich bereit, eine Herde von sieben verhaltensgestörter und traumatisierter Elefanten aufzunehmen, die ansonsten getötet worden wären, da sie unzählige Ausbruchsversuche unternommen und verschiedene Menschen angegriffen hatten. Ihm gelang es über viele Jahre und aufwändiger, stundenlanger täglicher Interaktionen, ein ganz besonderes und sehr persönliches Verhältnis, insbesondere zur Leitkuh dieser Gruppe – Nana – aufzubauen.

Dieses Buch hat uns beide sehr fasziniert und emotional berührt. Gerade Oliver, als jemand der höchst selten Bücher liest, noch seltener Bücher wirklich zu Ende liest, kann sich nicht erinnern jemals ein Buch so „verschlungen“ zu haben. Daher war uns beiden schnell klar, dass wir diesen Ort möglichst auch besuchen wollen. Lawrence ist 2012 leider verstorben, aber seine Frau – die Französin Francoise – führt das Game Reserve und die dazugehörige Lodge in seinem Sinne weiter. Und die Elefanten kommen nun jedes Jahr pünktlich zu seinem Todestag zur Lodge, um ihm Respekt zu zollen.

Um es vorwegzunehmen: wir haben dort die mit Abstand intensivsten Tiererfahrungen unserer bisherigen Afrika-Tour gemacht. Spätestens jetzt sind wir uns absolut sicher: Elefanten sind unsere Lieblings-Tiere!

An sich habe ich keine großen Erwartungen. Das Buch ist schon älter, also wer weiß, was mit den Elefanten inzwischen passiert ist. Wir wissen nicht einmal, ob es überhaupt noch Elefanten im Reservat gibt. Erst als wir ankommen frage ich, ob denn alle aus dem Buch noch im Reservat leben – die Antwort war: ja. Nun werde ich doch etwas nervös. Sollte es tatsächlich möglich sein die berühmte Elefantenkuh Nana kennenzulernen? Ach was, erst müssen wir sie ja auch finden. Nach ein paar Runden über das wunderschöne Gelände und ein paar Giraffen, sieht sie der Ranger am gegenüberliegenden Hang zielstrebig nach links laufen. Schnell nimmt er die Fährte auf und meistert mit dem Jeep abenteuerliche Pisten, um schnell die Herde zu treffen. Offensichtlich weiß er genau was er tut. Ab und zu rutscht der Jeep auf dem extrem steilen Hang, aber fängt sich immer wieder. An der Stelle angekommen, sehe ich warum die Elefanten es so eilig hatten. Am Zielpunkt befindet sich ein wunderbares Schlammloch, in dem sich die kleineren schon genüsslich suhlen. Und Nana steht in voller Größe vor uns. Ich bin sehr aufgeregt und gespannt.

Offensichtlich hat sie sich ganz bewusst zwischen der Herde und uns positioniert. Natürlich hat sie uns kommen sehen. Als wir auf sie zufahren, sehe ich sofort, dass sie ganz besonders ist. Ich habe bisher in Afrika noch nicht einen so alten und runzligen, aber wunderschönen Elefanten gesehen. Und wir haben schon viele gesehen. Mittlerweile ist sie 55 Jahre alt und die Großmama der Herde. Die Leitposition hat sie längst an ihre alte Freundin Frankie abgegeben, aber sie ist nach wie vor das wichtigste Tier in der Herde. Und das spürt man. Jeder Elefant hat Respekt vor ihr und hält einen kleinen Abstand ein, außer er möchte einen bewussten zärtlichen Körperkontakt herstellen. Die Herde kommt nach und nach den Hang hinter ihr herunter – bis zu 15 Tiere zählen wir. Natürlich auch viele Neuzugänge, die im Buch noch nicht erwähnt sind, aber auch einige alte Bekannte. Auch Frankie mit ihrem jüngsten Nachwuchs kommt angeschlendert. Sie war immer eher die Hitzige und beweist dies auch in unserer Situation. Gleich geht sie auf das Auto zu, aber Nana stellt sich in voller Größe zwischen Frankie und uns und anstatt sie zu rügen, begrüßt sie sie nur zärtlich mit einem Rüsselschmuser und einem kräftigen Magenrumpeln. Und alles ist gut. Frankie widmet sich dem wohligen Schlammbad. Und Nana bleibt weiterhin stehen und beobachtet uns mit ihren großen sanften Augen.

Plötzlich schwankt sie hin und her und geht mit, für mich, schnellem Schritt auf uns zu. Ohne zu zögern, so nah es geht, ohne den Jeep anzurempeln. Sie bleibt stehen und beobachtet uns, sie hebt den Rüssel und schnüffelt, was man deutlich als Röcheln wahrnehmen kann. Dann befühlt sie mit dem über und über schlammbeschmierten Rüssel eine Mitfahrerin hinter mir an der Hand. Die Rüsselspitze bewegt sich sanft über ihre Haut und im Nu ist sie völlig dreckig. Leider kommen wir selber nicht in den Genuss, aber von uns aus berühren wir sie nicht, aus Respekt, obwohl sie sich nur 10 cm von uns entfernt bewegt. Dafür bleiben wir aber auch sauber.

Hinter ihr wird es unruhig und ein paar Halbstarke wollen sich an den Jeep heranmachen. Nana dreht sich um und baut sich wieder zwischen uns und den anderen ungestümen Elefanten auf, die sofort wieder abdrehen. Nicht lange danach ist sie wieder neugierig und kommt erneut zu uns zurück. Dieses Mal Richtung Fahrer. Wieder ganz nah. Er macht ihr klar, dass sie ihren dreckigen Rüssel nicht an das saubere Auto schmieren soll … ob sie das versteht?! Auf alle Fälle lässt sie es. Ich sitze auf Nanas Seite und habe einen wunderbaren, direkten Blick auf sie. Nur wenige cm trennen uns und sie schaut uns tief und durchdringend mit ihren faltigen, weisen Augen an. Wir hören laut das Rumpeln der Mägen – eine der wenigen für uns Menschen hörbaren Formen der Elefanten-Kommunikation. Sie geht zur Herde zurück und positioniert sich am Hang zum Gehen. Der Ranger erklärt uns, dass sie wartet, bis alle zu Ende gebadet haben und sie dann weiterziehen und das das Zeichen zum Gehen sei. Natürlich planschen, spritzen und suhlen sich die Elefanten noch eine ganze Weile freudig trompetend weiter, während Nana vor uns und vor der Herde gemütlich wartet.

Ihr Verhalten, ihre natürliche Autorität, ihre offensichtliche Kraft und ihre gleichzeitige Sanftheit ist unglaublich. Unglaublich schön. Ich bin völlig aufgeregt und irgendwie in einer anderen Welt. Faszinierende Momente! Zudem bin ich überaus überrascht, wie wir genau an dieser Gruppe das sehr ausgeprägte und im Buch eingehend beschriebene Sozialverhalten beobachten können. So klar wie noch bei keiner Elefantenbegegnung bisher, was mir zeigt, wie eingespielt die Herde sein muss und was sie wohl schon alles gemeinsam durchgemacht haben müssen.

Wir sind tief beeindruckt über die Intelligenz, das Sozialverhalten und die Emotionalität dieser Tiere sowie über die Nähe und das Vertrauen welche die ehemals aufgrund schlechter Erfahrungen mit Menschen völlig traumatisierten Tiere zu Menschen wieder aufbauen konnten…. Auch wenn es wahnsinnig viel Zeit und Anstrengungen gekostet hat. Außerdem ist es schön zu erleben, wie stimmig Buch und Wirklichkeit sein können. Und dass wir es so nah miterleben durften.

 

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