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Albanien – Gebirgsabenteuer in Europa!

Albanien gilt als das letzte Offroad-Paradies in Europa: anspruchsvolle Pisten, freies Wild-Camping, keinerlei Restriktionen…. Aber es gilt definitiv nicht als Spielwiese für große 6×6 Expeditionsmobile, zu eng sollen die kleinen Bergpisten sein. Wir sind jedenfalls sehr gespannt.

Zunächst aber holen wir Shujaa erst einmal wohlbehalten beim Langzeit-Parking in der Nähe des Flughafen Athens ab. Das Gras um seine Räder ist in unseren zwei Monaten Abwesenheit schon richtig hochgewachsen, brav springt der Motor an und auch alles andere passt. Erst einmal tanken (hätten wir besser schon vor unserer Unterbrechung und damit vor den Dieselpreissteigerungen durch den Ukraine-Krieg gemacht 😉) und eine Wagenwäsche vornehmen lassen, Großeinkauf, dann reparieren wir erfolgreich unsere Schwarzwasser-Zerhacker-Pumpe (die sich am Tage unserer Abreise zugesetzt hatte). Weiter geht es zu unserem tollen Stellplatz am Südende der Attika Halbinsel, wo wir schon vor zwei Monaten vor unserer Reiseunterbrechung standen. Inzwischen haben die fußläufigen Tavernen offen und es gibt unser Lieblings-Menü: Griechischen Salat, Tintenfisch, Tzatziki. So schnell sind wir in unserer Reisewelt wieder angekommen, obwohl wir heute morgen noch auf Mallorca waren.

Zügig fahren wir in den Nord-Westen Griechenlands und reisen über eine sehr kleine Grenze nach Albanien ein: was sind Grenzübertritte in Europa, auch außerhalb der EU bzw. Schengen, doch schnell und problemlos! Das dortige, traumhaft gelegene Vjosa Tal gibt einen ersten Vorgeschmack auf die spektakuläre Natur Albaniens: schneebedeckte Berge, blühende Wiesen sowie Bäume und dann der wilde, klare Vjosa Fluss, über den verschiedene Hängebrücken zu abgelegenen Gehöften führen. Alles wirkt wie vor 100 Jahren – und das in Europa! Über das schöne Städtchen Gjirokaster – eine der best erhaltensten osmanischen Städte – fahren wir auf kleinen Sträßchen wieder in die Berge. Das sogenannte „Blue Eye“ erinnert uns an Bonito in Südamerika: auch hier sprudelt aus einer extrem mineralhaltigen Quelle bis zu 8 m3/Sekunde glasklares Wasser heraus und bildet eine vielfarbige Flusslandschaft. Eine Pracht für die Augen.

Von Butrint – einer alten römischen Ausgrabungsstätte ganz im Süden Albaniens – haben wir schöne Blicke auf die nahegelegene Insel Kos in Griechenland. Dann geht es an der „albanischen Riviera“ entlang nach Norden. Aufgrund der teilweise extrem steilen Hänge und der dort am Rande klebenden Dörfer sind Vergleiche mit der italienischen Amalfi-Küste durchaus gerechtfertigt. Shujaa wirkt auf diesen kleinen Straßen bisweilen etwas überdimensioniert, hält sich aber wacker. Der abgelegene Playa de Gjipesë, nur mittels einer halbstündigen Fußwanderung zu erreichen, ist ein absolutes Highlight. Gleiches gilt für die Landzunge nördlich von Vlore: völlig untouristisch, im ersten Bereich noch etliche Wohnmobile, dann weiter hinten, nach Passieren eines langen Sandstrands und Ausfahrt über ein paar Dünen, fängt das wahre Paradies an: grüne Wiesen, einmalige Meerblicke, Kühe, Schafe… und nur drei Expeditionsmobile mit viel Abstand zueinander. Wir entscheiden spontan, an diesem Traumplatz zwei Nächte zu bleiben.

Nach Besichtigung der römischen Ausgrabungsstätte Apollonia sowie der kulturell interessanten Städte Berat und Kruja fahren wir erneut in die Berge und unser großes albanische Pistenabenteuer kann beginnen. Aus unserem extra gekauften Pistenkuh-Pisten-Tourbook zu Albanien haben wir uns 3 Routen ausgesucht, die für Shujaa’s Abmessungen geeignet sein sollen. Fazit der nächsten 4 Tage: absolute Einsamkeit, traumhaft einsame Landschaften mit sehr intakter Natur… aber auch intensivster Einsatz unserer Schneidewerkzeuge, um uns die Piste freizuschneiden, engste gerölldurchsetzte und bisweilen stark ausgewaschene Hangfahrten, die denen in Peru in nichts nachstehen und eine eingestürzte Brücke, an welcher wir weder drehen noch rückwärts fahren konnten. Bei der einzig verbliebenen Möglichkeit – der „Flucht nach vorne“ stürzt die Brücke unter uns weiter ein. Dank zuvor eingeschalteter sämtlicher Sperren und Traktion an vier von sechs Rädern gelingt es Shujaa, sich dem Sturz in den Fluss ohne Schäden zu entziehen. Wir können es kaum glauben, was uns da passiert ist! Da fahren wir 200.000 km durch Südamerika, Afrika und den mittleren Osten und dann passiert so etwas in Europa!

Auf den weiteren Pistenrouten halten wir uns sehr genau an die Gewichtsbeschränkungen der Brücken – so überhaupt ausgewiesen – und fahren durch das traumhaft schöne Flusstal des schwarzen Drins lieber mit unserem Quad Shujoo. Da haben wir keine Gewichtsprobleme und müssen unser Brücken-Glück nicht noch weiter herausfordern. Als wir denken, wir haben es bei der letzten Pistenroute endlich geschafft, kommen noch einmal viele ganz enge Serpentinen auf uns zu. Selten waren wir so froh, wieder die Zivilisation erreicht zu haben.

Somit haben wir unsere größten fahrtechnischen Abenteuer auf unseren 35.000 km durch Middle East nicht in der Wüste Llut im Iran, in den Wadis des Omans oder in den endlosen Sandwüsten Saudi-Arabiens gefunden… sondern in Europa in den Bergen Albaniens. Albanien – ein wunderschönes Land mit vielen Überraschungen in jeglicher Hinsicht!

8 Kommentare

  1. Danke für den Bericht und die tollen Bilder👍

    1. Sehr gerne – schön, dass es Dir gefällt!

  2. That must have been a very scary adventure … on that bridge … oef 😳 what a releave it must have been you got out safe … Bulgarije is indeed gorgeous and adventurous…. No question 😅😅 beautiful pics !!

    I was wondering since North America is still on your travel list why not go there sooner rather than later … with all what is going on in Europe right now … with Russia etc …

    Safe travels in Bulgaria and …… 🙏🏼🌎

    Grtz Sylvia Boesveld

    1. Thank you – yes, indeed we are looking forward to Canada in August …

  3. Wow, wie immer, absolut geile Fotos! Chapeau.
    Macht richtig Appetit:-) Weiterhin gute Reise mit vielen wunderbaren Eindrücken.
    Liebe Grüsse,
    Roland & Mia

    1. Danke Du Lieber! Euch auch 😉

  4. Schöner Bericht, schöne Bilder wir starten morgen nach Teth und denken mit unseren kleinen Landcruiser wird es etwas einfacher werden.
    Euch Liebe Grüße und weiterhin viele gute Erlebnisse. Wini und Gabi.

    1. Danke Wini, das wird es sicher ;-). Euch auch viele schöne Erlebnisse und eine gute Reise.

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