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Wieder über die Kamelgrenze zurück an Kenias Küste

Ein paar Tage sitzt der Frust ziemlich tief: dass wir nicht über die Corona-bedingt geschlossene Landgrenze nach Äthiopien einreisen konnten, wurmt uns schon… vor allem, bei unserem bisherigen Reiseglück in diesen Zeiten! Da ist es auch nur ein schwacher Trost zu wissen, dass wir von Äthiopien mit Sicherheit nicht hätten weiter gen Norden reisen können: wegen Bürgerkrieg und Grenzkonflikten mit dem Sudan.

Aber Reisen bedeutet ja auch Flexibilität und wir haben uns schon im Vorfeld einen „Plan B“ überlegt: zunächst geht es über Marsabit gen Süden ins Samburu Land zum Samburu N.P. Obwohl eher klein und unbekannt ist dieses Paradies sicher die Überraschung für uns in Kenia: traumhafte Fluss-Szenerien, ein tolles Buschcamp direkt am Wasser und vor allem sehen wir das, was uns bisher auf unseren ganzen Gamedrives noch fehlte: einen Kill mitzuerleben – und das auch noch mit Shujaa und nicht in einem geführten Gamedrive. Bei unserem morgendlichen Gamedrive sehen wir plötzlich ein Löwenrudel… nicht träge vor sich hindösend wie sonst immer, sondern sehr aufmerksam und zügig mit gewissen Abständen durch den Busch laufend. Bald sind ein paar Gamedrive-Jeeps bei uns: sie haben den Vorteil viel wendiger und schneller neben den Pisten die Löwen zu verfolgen, wir haben den Vorteil aus knapp vier Meter Höhe viel besser sehen zu können, wohin sich das Geschehen bewegt. Sie haben sich eine Gruppe von Warzenschweinen ausgeschaut, welche sie immer enger umkreisen. Dann laufen sie los, wir über Stock und Stein hinterher und kurze Zeit später sehen wir ihre Beute: den Vater und Größten der Sippe hat es erwischt. Noch ist er bis auf seinen Genickbiss völlig intakt, aber innerhalb der nächsten Stunde sehen wir aus nur zwei Metern Entfernung wie so ein Warzenschwein völlig vertilgt wird – der Magen wird fein säuberlich verschmäht, da er nicht schmeckt. Was für ein tolles Erlebnis und das gegen Ende unserer Ostafrika-Reise!

Über den Mount Kenia fahren wir, über die von uns benannte „Kamelgrenze“ (ab hier gibt es keine riesigen Kamelherden mehr), nach Lamu, einer exklusiven Insel im Norden Kenias, nahe der somalischen Grenze. Überall wird gewarnt, dass man aus Sicherheitsgründen nach Lamu nur fliegen und nicht fahren sollte, da es in dieser Gegend immer wieder Schießereien gibt. Weil wir uns die stressigen Durchfahrten von Nairobi und Mombasa sparen wollen, nehmen wir die Nebenstrecke über Garissa. Außer verstärkten, aber völlig korrekten, Militärkontrollen und einer absolut unsinnigen Fahrt im Konvoi (der dann nach längerer Wartezeit ohne Polizeibegleitung losgeschickt wird und sich natürlich in wenigen Minuten aufgelöst hat, da jeder sein eigenes Tempo fährt) haben wir keine Probleme.

Per absolutem Zufall haben wir am extrem einsamen Turkanasee vor zwei Wochen eine Bekannte aus München getroffen, die vor kurzem ein Haus auf Lamu geerbt hat und uns eigeladen hat, sie dort zu besuchen. Die nächsten fünf Tage sind ein krasser Wandel zu den letzten Monaten in Shujaa, den wir am Hafen, durch eine extra bestellte Security bewachen lassen: Party Einladungen, Dhow-Rennen, exquisite Abendessen, toller Lifestyle, interessante Menschen, keine Overlander 😉, aber auch viel authentischer Swahili Style, Esel, welche als einziges Transportmittel auf dieser autofreien Insel die engen Gassen blockieren (und verschmutzen😉), sowie ewige Strandspaziergänge an sauberen und völlig einsamen Stränden. Ein Paradies, wo sich aus gutem Grund die Schönen und Reichen dieser Welt Domizile gebaut haben, und sich gerade jetzt, während Corona zum ungestörten Zusammenkommen und Feiern versammeln.

Nach fünf Tagen bekommen wir langsam Sehnsucht nach Shujaa und verlassen schweren Herzens unsere Bekannte mit ihrem tollen Swahili Haus in Shela auf Lamu. Über die Nordküste Kenias mit Stopp am tollen Barefoot Camp (mit tiefsandiger und tiefastiger Anfahrt zum Stellplatz über den Strand), dem Traumstand bei Watamu mit dem weißesten Sand, den wir jemals gesehen haben, und Besichtigungen verschiedener alter verfallener Swahili-Städte (etwas Kultur muss auch mal wieder sein) erreichen wir Mombasa. An der Fähre zum Übersetzen an die Südküste warten wir über zwei Stunden: aufgrund einer besonders hohen Flut können viel weniger Fähren zum Einsatz kommen als normal und demzufolge gibt es lange Wartezeiten, die Menschen sind aggressiv und das chaotische Gedränge ist noch wilder als sonst. This is (also) Africa! Völlig gestresst erreichen wir, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, die uns schon von unserem Aufenthalt von vor vier Wochen bestens bekannte Twiga Lodge & Campsite. In diesem Paradies bleiben wir die nächsten 10 Tage stehen, den Traumstrand und die Sonne genießend, Shujaa gründlich putzend und verschiffungsbereit machend. Trotz viel Arbeit haben wir eine tolle Zeit, machen einen tollen Schnorcheltrip nach Wasini Island bzw. dem Kisite Marine N.P. an der Grenze zu Tansania, treffen interessante Menschen und sind für unsere Verhältnisse richtig „sesshaft“.

Bevor wir jedoch zum Dauercamper mutieren, liefern wir Shujaa im Hafen von Mombasa zwecks Verschiffung nach Genua ab. Wie immer mit mulmigem Gefühl: kommt Shujaa unbeschadet an, sinkt das Schiff oder, oder, oder … Bei uns geht es nach Mallorca und Europa, wo wir unsere Freunde wiedersehen werden, Shujaa in gute Hände zum Service geben werden und den nächsten Reiseabschnitt beginnen zu planen: Mittlerer Osten, arabische Halbinsel, Seidenstraße – ab Herbst, so die Grenzen dann wieder ungehindert passierbar sind. Ansonsten haben wir einen „Plan B“. Die Welt ist so groß und Shujaa wieder in Europa, in unserer unmittelbaren Nähe zu haben, sollte den Aktionsspielraum vergrößern.

Das östliche Afrika mit den von uns in knapp sechs Monaten bereisten Ländern Sambia, Malawi, Tansania, Uganda und Kenia hat uns extrem gut gefallen. Die Kombination aus tollen Landschaften (die wir in der Intensität im südlichen Afrika nicht vorgefunden haben), Tiererlebnissen und sehr aufgeschlossenen und authentischen Menschen (z. B. Massai, Samburu) waren eine tolle Mischung. Wir kommen ins Grübeln, ob unsere Weltreise wirklich ein „Projekt“ ist – also auch ein klar definiertes Ende besitzt – da wir uns auch hier gut vorstellen können, zu einem später Zeitpunkt wieder herzukommen. Natürlich mit eigenem Fahrzeug!

Ein Kommentar

  1. Gratuliere Euch! So tolle Erlebnisse ! Freu mich für Euch. Bin im
    April in Mallorca. Vielleicht sehen wir uns lG aus dem winterlichen Tirol

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