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Oliver ist doch kein Tanzbär

Nachdem wir in den letzten Wochen fast alles an sozialen Events mitgenommen haben was ging und wir auch noch mit guten Freuden zum Mountainbiken und Kulturtrip (für die Damen) nach Georgien gefahren sind, ging es nun endlich los nach Buenos Aires… und wir waren sehr froh darüber. So schön es ist, vorzubereiten, zu planen, den Freunden alles zu erzählen und sich mitzuteilen… irgendwann kommt die Zeit da will man nur noch, dass es losgeht und man bei sich ist.

Und bei uns war es dann am 11. Oktober 2017 überfällig. Die Entscheidung die letzten Tage auf unserer Finca auf Mallorca zu verbringen war absolut richtig. Wir kamen runter, konnten noch sehr sommerliche Tage genießen und sind dann abends mit der zeitlich kurzmöglichsten Flugverbindung von Palma de Mallorca über Madrid nach Buenos Aires (BA) geflogen… mit gleich einem kleinen Kick am Anfang: beinahe hätten wir den Anschlussflug von Madrid aus verpasst, das Gate war schon geschlossen.

Am Morgen des 12. Oktobers landeten wir bei strömenden Regen in BA. Unser Gepäck war trotz der sehr kurzen Umsteigezeit im Madrid auch mitgekommen. Die Fahrt nach BA zu unserem Hotel dauerte knapp 1,5 Stunden in unserem ersten Stau. Nach dem Einchecken im Hotel ging es zu Pablo – unserem Zollagenten der uns helfen sollte Shujaa möglichst problemlos durch das ganze Zoll-Procedere zu bringen. Eine Menge Unterlagen wurden ausgetauscht damit wir dann 5 Tage später Shujaa in Zarate (90 km nordwestlich von BA) hoffentlich problemlos aus dem Zoll holen können.

Dann ging es zum Sightseeing in diese riesen Stadt mit höchst unterschiedlichen Stadteilen: Recoleta, Palermo, San Telmo (wo auch unser Hotel war), Puerto Madero und das Tigre Delta (wo der Rio de la Plata ins Meer fließt), das sechstgrößte Delta weltweit, standen auf dem Programm. Mit 13 Mio. Einwohnern im Großraum BA leben ein Drittel der Einwohner Argentiniens in BA, die Ausdehnungen sind einfach riesig. Auch ein kurzer Tango-Kurs (bei dem Karin erkennen musste, dass ich erstaunlicherweise doch kein „Tanzbär“ bin) samt anschließender Tango-Show nahmen wir mit, auch wenn es recht touristisch war, war es dennoch lohnenswert.

Fazit der ersten fünf Tage unserer Weltreise, ohne Shujaa:

  • Zum einen – Karin und ich können es gar nicht glauben – bin ich tiefenentspannt…..; ich bekomme nur noch wenige Mails, die ToDos sind weitestgehend abgearbeitet und die offenen Punkte beziehen sich auf so komplexe Themen wir Transfer nach Zarate organisieren, Restaurant ausfindig machen etc. Wir beide fühlen uns sehr frei.
  • Zum anderen ist BA eine faszinierende Stadt – jedoch nicht auf den ersten Blick, aber je länger man vor Ort ist. Die Vielfalt, die Pracht von längst vergangenen Zeiten (viele Jahrzehnte lang um die vorletzte Jahrhundertwende war BA die reichste Stadt der Welt), die Entspanntheit und Lebenslust der Einwohner… nur typisch südamerikanisch ist BA nicht: über 90% der Einwohner sind europäischer Abstammung.
  • Auffallend ist die Rückwärtsgewandtheit der Menschen und des ganzen Stadtbildes. In Restaurants laufen die Bee Gees und Lionel Richie – und das war kein Einzelfall. Die Menschen sind extrem altbacken gekleidet, auch junge. Einrichtungen sind oft völlig abgewohnt. Es fehlt deutlich eine spritzige, eine oft in gerade in modernen Städten vorzufindende, Zukunftsorientierung. Man fühlt hingegen eher eine Schwere, die im Tango mit seiner Dramatik und tiefen Romantik gipfelt und sich in schwarz/roten Kostümen zeigt. Vielleicht hat deshalb BA auch die welthöchste Psychologendichte aufzuweisen. Wir werden es weiterhin untersuchen, so ganz hat sich uns das noch nicht erschlossen.
  • Spanisch ist nicht gleich Spanisch. Obwohl wir vor gut einem Jahr Spanisch angefangen haben zu lernen und natürlich noch weit von optimal entfernt sind, dachten wir zu mindestens uns einigermaßen verständigen zu können. Der Lacher war dann als eine Reiseführerin Portugiesisch sprach und wir völlig frustriert waren, dass wir sie nicht verstehen, in der Annahme es sei Spanisch mit argentinischem Dialekt. Insgesamt hört sich alles sehr komisch an, so dass Spanisch für uns nicht gleich zu identifizieren ist. Dann jedoch, als das Missverständnis geklärt war, ging es uns besser und wir verstanden auch etwas mehr. Wird schon werden.
  • Auch wenn unsere Weltreise nun offiziell begonnen hat, wir wollen jetzt unbedingt zu Shujaa und unser eigenes Heim auf Rädern beziehen, und damit nicht mehr fremdbestimmt sein, gesund essen und einfach zu 100% unser Ding machen. Bisher war die Reise eine klassische Städtereise mit Hotelübernachtungen, Essen in Restaurants und schlicht zu viel Fast Food. Das Essen hier ist generell fettig, mit viel Brot, was man auch den Menschen ansieht. Aber morgen geht es ab nach Zarate und zu Shujaa.

4 Kommentare

  1. Hallo liebe Karin und Oliver,
    nach G’s 50. und damit meiner Kenntnis Eures Blogs habe ich sogleich alles verschlungen, was Ihr bis dahin an Text und Fotos eingestellt hattet. Freue mich heute, dass es jetzt weiter geht. Ich wünsche Euch alles Gute für Euer Wiedersehen mit Shujaa und damit einen tollen Start in die „100-%-Phase Eures Dings“. Und ich werde natürlich weiter schlingen…
    Liebe Grüße
    Herbert

    1. Hallo Herbert,
      danke für Deinen Kommentar. Es freut mich, dass Dir der Blog gefällt. Hoffe, dass es so bleibt 😉 Wir bemühen uns. Shujaa kam wohlbehalten an, zum Glück. Wir hatten schon ziemlichen Bammel, weil Einbrüche auf der Strecke an der Tagesordnung sind und wir hatten ja unser ganzes Hab und Gut drin.
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  2. absolut fantastische Bilder! Vielen Dank dafür. Ich bin begeistert von der Art des Schreibens. Der Text vermittelt mir einen Eindruck von der Stadt und dem Leben, wie ich ihn gerne lesen möchte. Weit entfernt von Touristenführern kann ich hier viel mehr über das Leben und das Lebensgefühl in BA erfahren. Vielen, vielen Dank! Freue mich auf die weiteren Berichte und drücke auch ganz fest die Daumen, dass euer Truck unversehrt ankommt.

    1. Lieber Hardy,
      lieben Dank für Deine netten Worte. Das freut und sehr und spornt uns an es weiter so gut oder besser zu machen. Und das alles mit dem iPhone, die große Kamera liegt noch unerreichbar in Shujaa, aber psssst, nicht verraten. Wollte ich nicht schleppen. Ich geb ein Zeichen sobald wir ihn raus haben.
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

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