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Süd-Perus Küsten: Komische Lkw-Fahr-Gewohnheiten und extreme Gegensätze

Vom Colca Canyon fahren wir auf kleinen, teilweise durch die Regenzeit ausgewaschenen Pisten gen Pazifik-Küste und steigen von über 4.000 Meter Höhe auf 0 Meter Meeresniveau in einem halben Tag hinab.

Wenige km vor dem Meer lernen wir den Höhepunkt der peruanischen Rücksichtslosigkeit und Dummheit beim Autofahren kennen: es gibt einen recht schmalen Tunnel mit klar signalisiertem Hinweis, dass jeweils nur ein LKW zeitgleich durchfahren soll. Wir halten an und lassen 6 LKWs und Busse passieren, hinter uns ertönt schon lautes Hupen von unruhigen Peruanern und als wir keinen entgegenkommenden LKW mehr sehen, machen wir uns auf den Weg. Als wir die Hälfte des Tunnels passiert haben, sehen wir einen großen Sattelschlepper erst zögerlich haltend, dann nach dem Motto „Fakten schaffen“ ebenfalls in den Tunnel hineinfahren. Natürlich kommen wir beide nicht aneinander vorbei. Wir haben 80% der Tunnelstrecke zurückgelegt, aber dennoch macht der Sattelschlepperfahrer keine Anstalten zurück zu fahren. Wir bleiben gelassen in Shujaa sitzen, hupen mit unserer Vierfach-Fanfare, so dass der Tunnel nur so wackelt und blinken mit unserem kompletten Lichterbaum auf dem Fahrerhaus. Nichts passiert und wir harren der Dinge. Irgendwann wird es dann den Peruanern hinter uns (der ganze Tunnel ist mittlerweile voll mit Fahrzeugen) zu dumm, sie steigen aus und nehmen sich den Sattelschlepperfahrer vor. Nach langen Diskussionen legt er den Rückwärtsgang ein, aber auch hier müssen zunächst ca. 10 Autos rückwärts aus dem Tunnel rausdirigiert werden. Was für ein Akt… und alles nur weil ein sogenannter „Berufskraftfahrer“ sein Hirn nicht einschalten kann oder möchte.

Endlich am Pazifik angekommen sind wir zunächst enttäuscht. Riesige, hässliche Hafenanlagen (von wo insbesondere das Binnenland Bolivien einen Großteil seines Warentransportes abwickelt) und große Chemieanlagen prägen die Szenerie in dem wüstenhaften Umfeld.

Wir fahren die nächsten 200 km nach Süden Richtung chilenischer Grenze – nein, wir haben die Orientierung auf unserer Reise (noch) nicht ganz verloren… Grundsätzlich ist unsere Hauptreiserichtung weiterhin „Nord“, aber a) wurde uns empfohlen auf jeden Fall noch das chilenische Altiplano mit dem „Salar de Surire“ zu erkunden (dieser liegt quasi gegenüber dem bolivianischen „Salar de Uyuni“) und b) hat Shujaa durch das viele Pisten- und Serpentinenfahren recht großen Reifenverschleiß, so dass wir in Nord-Chile noch einen neuen Reifen-Satz montieren wollen, bevor wir in Länder kommen wo unsere Reifendimension noch schwieriger zu beschaffen ist.

Die südperuanische Küste könnte gegensätzlicher nicht sein: Hafen- und Chemieanlagen wechseln ab mit wunderschönen Wüstenszenarien und traumhaft in den Berg gebaute Küstenstraßen, wo es immer wieder nette Abstecher an kleine, wenig touristische Strände gibt. Zwischendurch wird das Wüsten-Ambiente unterbrochen von vielseitigen Anbauflächen, wie grünen Reis-Plantagen, die wir hier nun wirklich nicht vermutet hätten, und Paprika-Anbau deren reife Schoten – sehr fotogen – am Straßenrand zum Trocknen ausliegen.

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