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Und was macht das Reisen bisher mit uns?

Sicher fragen sich einige, wie es uns geht, denn darüber schreiben wir wenig. Ich denke, den Part übernehme mal ich.

Wir sind erst vier Wochen unterwegs und bereits jetzt ist es anders als bei den jeweils vier Wochen Testreisen in Marokko, bei welchen uns bewusst war, dass es „nur“ Urlaub ist, und doch denke ich derzeit jeden Tag, der Flieger nach Hause müsste doch bald gehen, der Urlaub ist doch bald vorbei. Es ist also ziemlich ambivalent.

Es ist definitiv keine Kurzzeitreise. Das spüren wir deutlich, weil wir schon jetzt viel entspannter sind und nicht jede Tour am gleichen Tag abschließen müssen. Ich bin oft überrascht wie, vor allem Oliver, das antizipiert und teilweise besser lebt als ich, wenn Kommentare kommen, wie „Na, was weiß ich ob wir das morgen machen – lass uns sehen“. Ein ganz anderer Oliver also.

Wir sind natürlich immer noch zu schnell. Das ist für mich ganz klar. Aber ich denke, das ist vor allem auch am Anfang normal. Es ist schwierig damit umzugehen, stehen zu bleiben und sich eine Aufgabe zu suchen, oder schlicht nichts zu tun, was uns beiden nicht gelingt, was wir jedoch lernen möchten. Oder einfach den Platz in sich aufzunehmen, am Leben mit den Menschen am jeweiligen Ort teilhaben. Mitzumachen. Sich einzubringen. Momentan bin ich noch etwas kreativlos zu dem Thema, wie genau das umzusetzen ist.

Mir fehlt noch der Kontakt zu Einheimischen. Irgendwie kommt der nur schwer zustande. Sei es, weil wir selbst oft etwas abgeschottet leben, weil wir sicher sprachlich noch Optimierungsbedarf haben oder weil die Argentinier und Chilenen nicht unbedingt das offenste Volk sind. Ich weiß es nicht. Aber während Oliver, der Naturmensch voll auf seine Kosten kommt, besteht bei mir noch Nachholbedarf.

Die Gefühle allerdings, die uns übermannen, wenn wir durch diese schöne, raue Natur gehen sind unbeschreiblich. Es regnet in Strömen. Zu Hause würden mich keine zehn Pferde vor die Tür bringen. Hier gehört es dazu, schließlich sind wir im Kaltregenwald, also rein in die Funktionsklamotten und raus an die frische Luft, den Wasserfall und den Alercenwald mit den wunderschönen Baumriesen erkunden. Es ist nur grün, es ist laut durch das Wasser, überall wächst Moos, selbst auf den Zweigen, die Holzplanken am Boden sind glitschig und wir müssen darüber balancieren, teilweise können wir uns kaum fort bewegen, weil alles zu gewuchert ist. Wir verstehen die Einheimischen, die wir ab und zu mit Macheten die Straße entlang gehen sehen. Die Hängebrücke schwankt, ich bleibe stehen, sehe in die grüne Hölle und bedanke mich. Bedanke mich bei den Bäumen, die uns den Sauerstoff zum Atmen schenken. Es berührt mich unendlich zu sehen, dass hier in der Stille das Leben geschieht und nicht in der Stadt. Wir sind bis auf die Unterwäsche pitschnass, trotz teurer Spezialklamotten, aber glücklich.

Das überwiegt gerade.

4 Kommentare

  1. Hallo ihr Reisende!
    Gerade eben haben wir euch aus der Nähe erlebt: in Santa Cruz, Hotel TerraViña, direkt am Pool.
    Fünf Deutsche treffen sich und bleiben unter einander, würde hier „der/die Chilene/Chilenin sagen
    Kleiner Tipp, „die Chilenen“, also wir, sind eher lustig und neugierig auf andere Menschen. Also sich trauen und vielleicht mit einem einfachen „Hola“ neue Räume und Menschen entdecken…
    Weiterhin buen viaje!
    Malú

    1. Hola Malú,
      vielen Dank für den Beitrag und den Tipp. Ohne mich rechtfertigen zu wollen, was es natürlich dennoch ist ;-), möchte ich ein wenig die Situation erklären. Wir haben für nur einen Tag eine sehr gute Freundin getroffen, die gerade mit ihrem Partner und Sohn in Chile ist, also in diesem Hotel, wir waren sehr aufeinander fokussiert und somit sicher auch typisch Deutsch. Das ist wahr. Ich bin normal sehr offen und gehe auf Menschen zu, nur habt Ihr uns dort wohl an der untypischsten Situation unserer Weltreise angetroffen, nämlich an einem Hotelpool. Ich kann mich sehr gut an Euch erinnern und war sehr neugierig, weil Ihr mir sehr offen, lebenslustig und nah erschienen seid, was mir sehr gefiel, aber leider muss man manchmal Prioritäten setzen. Sorry. Vielleicht sehen wir uns noch einmal irgendwo, dann würde es mich freuen, wenn Ihr uns ansprecht, falls wir es nicht bemerken sollten.
      Liebe Grüße
      Karin

  2. Hallo Ihr Lieben, endlich habe ich es geschafft, Eure vielen Abenteuer nachzulesen. Ach wie toll. Das klingt so phantastisch und so ehrlich. Ich komme gerade von einer beeindruckenden Reise durch Äthiopien zurück. Hat mich tief bewegt. Hier ist jetzt Winter, alles weiss. Die erste Schitour auch gemacht. Die Saison ist gestartet. Ansonsten bereitet sich alles geschmückt auf Weihnachten vor. Ich wünsche Euch weiterhin eine wunderbarre harmonische Zeit und freu mich auf Eure Neuigkeiten. Bravo so toll aufbereitet.

    Herzlichst Euer Helmut

    1. Lieber Helmut,

      schön von Dir zu hören und von Deiner Reise. Und danke für Dein Lob. Es freut uns sehr, dass Du es verwirklicht hast und sind schon auf Berichte gespannt. Du reist so viel, da lohnt sich vielleicht auch ein Blog 😉

      Bis bald
      Karin & Oliver

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