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Uganda – mehr als nur Gorillas

Zweifelsohne war unser Besuch bei den Berggorillas (siehe hier) nicht nur ein absolutes Highlight in Uganda sondern eines unserer ganzen bisherigen Afrika-Reise. Aber Uganda hat noch viel mehr zu bieten.

Die Einreise von Tansania, auf der Westseite des weltweit zweitgrößten Südwassersees – dem Victoriasee –, verläuft wieder einmal sehr entspannt. Allerdings bekommen wir einen ersten Vorgeschmack auf die Mitte Januar stattfinden Präsidentschafts-Wahlen, wo der seit über 35 Jahren amtierende Amtsinhaber schon im Vorfeld erbittert gegen jeden Oppositionskandidaten vorgeht. Auf der Straße wird wild im Rahmen einer Parteiveranstaltung gefeiert, wenige km später rasen gepanzerte Polizeifahrzeuge an uns vorbei. Die Stimmung ist ziemlich aufgeheizt und wir entscheiden, spätestens am Wahltag das Land wieder verlassen zu haben. Bis dahin haben wir knapp 3 Wochen.

Vom Victoriasee fahren wir in den bergigen Südwesten des Landes, unweit der Grenze zu Ruanda: auf dessen Besuch haben wir verzichtet, da uns das ganze Ein- und Ausreiseprozedere für dieses sehr kleine Land in Coronazeiten zu aufwendig war – zudem wird für jeden Besuch eines Nationalparks jeweils ein „frischer“ Corona-Test verlangt, was nicht ganz in unserem Sinne ist. Stattdessen stoppen wir am malerisch gelegenen Bergsee Bunyoni, wo wir in einer Traumlandschaft eine kontemplative Kanu-Tour machen und eine ehemalige Lepra-Station abgeschottet auf einer kleinen Insel besuchen. Nach unserem Gorilla-Trecking geht es auf einer spektakulären Urwaldpiste durch den Bwindi Nationalpark: bis auf 2.600 Meter schlängelt sich die enge Piste durch tiefsten Bergregenwald und völlige Einsamkeit – wir sind froh, dass es nicht regnet sonst wäre die Fahrt zu einer richtigen Rutschpartie geworden.

In kaum einem Land sind wir bisher soviel auf unbefestigten Pisten gefahren wie in Uganda. Das liegt auch daran, dass man viele Nationalparks kostenlos auf Transit-Pisten von teilweise desolater Qualität durchqueren kann. Nach dem Bwindi N.P. gilt das auch für den, am Lake Edward gelegenen, Queen Elisabeth N.P. (mit der weltweit höchsten Population von Hippos) und den Murchinson Falls N.P. (mit dem reißenden Victoria-Nil).

Hier im äußersten Westen Ugandas, an der unmittelbaren Grenze zum Kongo, ist die Landschaft üppig grün und sehr fruchtbar. Dennoch sind die Temperaturen bei Höhenlagen um 1.500 Meter recht angenehm, aber mit hoher Luftfeuchtigkeit.

In den Rwenzori Bergen, mit den neben dem Kilimanjaro zweithöchstem Berg Afrikas, machen wir erneut eine Bergwanderung. Glücklicherweise nur als lange Tageswanderung, aber es reicht, um in diesem regenreichsten Gebiet Afrikas bis auf die Unterhose nass zu werden. Alle Guides und Ranger tragen anstelle Wanderschuhen Gummistiefel. Hier eine für die Gipfelbesteigung notwendige, mehrtägige Exkursion zu machen wäre definitiv nicht unser Ding.

Vegetation und Klima ändern sich stark, als wir in den Norden Ugandas, an die unmittelbare Grenze zum Südsudan in den Kidepo N.P. fahren. Er gilt als einer der einsamsten und entlegensten Nationalparks der Welt und wurde vom Fernsehsender CNN als der drittbeste Park Afrikas gewählt. Mit entsprechend hoher Erwartungshaltung und Neugierde machen wir uns also auf den Weg. Die Pisten sind ausnahmsweise einmal besser als erwartet. Im Park angekommen, erwartet uns unser Paradies. Weite und offene Grasebenen entlang eines Flusstals (mit einer Szenerie sehr ähnlich der Serengeti), sehr viel Tiere und ein absolut einsames und nur von uns bewohntes Buschcamp auf einem Hügel mit fantastischer Aussicht. Hier bleiben wir 2,5 Tage, machen ausgiebige Gamedrives mit unserem Quad Shujoo (interessiert hier in Uganda überhaupt keinen, ob man zu Fuß oder mit dem Motorrad im N.P. unterwegs ist) und lassen den Tag beim Lagerfeuer ausklingen. Neben dem Mudumu N.P. im Caprivistreifen in Namibia ist dies unser Lieblings-Park was das Wildcampen mit Shujaa angeht. Coronabedingt sind die Parkeintrittsgebühren um 50% reduziert worden, so dass die Kosten zwar immer noch deutlich teurer sind als in Namibia, sich aber insgesamt im Rahmen halten. Dunkle Gewitterwolken lassen uns am Nachmittag des dritten Tages schweren Herzens aufbrechen. Wir haben keine Lust auf eine Schlammschlacht und klopfen uns noch gegenseitig auf die Schultern ob unserer mittlerweile umfänglichen Reise- und Fahrerfahrung, die uns in unserer ganzen knapp 12 Monate langen Afrikazeit noch in keine wirklich kritische Situation mit Shujaa gebracht hat. Doch Hochmut kommt vor dem Fall …

Dass dies etwas verfrüht war, müssen wir leider zwei Tage später erfahren: Mit über 450 km (davon 150 km anspruchsvoller Piste) haben wir einen viel zu langen Fahrtag, der die Konzentration schwächt. Keiner der zuvor angeschauten Übernachtungsplätze genügte meinen Ansprüchen und somit „versteifen“ wir uns auf die letzte Option: einem auf iOverlander für Big-Rigs tauglich beschriebenem Campground an einem „malerischen“ Wasserfall. Die Zufahrtsstraße ist sehr eng, ich frage noch, ob wir aussteigen und zu Fuß hinlaufen sollen, um die Lage besser zu beurteilen, doch Karin meint „das passt schon“ und ich bin müde und will nur noch einen Stellplatz. Wenigstens schalte ich die Vorderachse noch dazu – ist ja nur ein kleiner Drehschalter – und dann fahren wir den Wiesenweg hinauf. Sieht nicht wild aus, doch plötzlich kommt tiefer Morast, da von der Hangseite Wasser auf den Weg läuft. Shujaa kämpft und schlingert. Auf der Talseite, nur eine Handbreit von der Hinterachse entfernt, befindet sich ein über ein Meter tiefer gelegener Acker. Mit letzter Traktion kommen wir in einen etwas trockenen Bereich. Nach Aussteigen und Analyse des Umfeldes die nächsten Schocks: keinerlei Wendemöglichkeit (der Campground ist viel zu klein zum Reinfahren und gleicht einem Sumpf) und beim vorsichtigen Rückwärtsfahren kommen wir sofort Richtung Talseite ins Rutschen und drohen in den tiefergelegenen Acker zu stürzen. Hätte man natürlich alles leicht erkennen können, wenn man die Strecke abgegangen wäre, aber das hilft uns jetzt nicht weiter. Also wieder mit Mühen auf einen etwas trockeneren Wegplatz vorfahren und in Schräglage übernachten (mit dem entsprechenden Kopfkino und im Sumpf nebenan laut quakenden Fröschen). Am nächsten Morgen – über Nacht hat es glücklicherweise nicht geregnet – den Weg mit mühsam zusammengesuchten Steinen befestigen, die Fahrbahn planieren und mit etwas trockenerer, abgetragener Erde griffiger machen. Dann der erneute Versuch ganz langsam im Rückwärtsgang…. Und es klappt. Wir rutschen nicht mehr. Den sicherheitshalber noch bestellten Kies-Laster bestellen wir wieder ab.

Somit können wir doch noch am nächsten Tag Uganda, zwei Tage vor den Präsidentschaftswahlen, verlassen und erneut völlig problemlos in unser nächstes Land – Kenia – einreisen. Social Media wurde in Uganda gerade während unseres Grenzübergangs abgestellt und auf kenianischer Seite warten tausende von LKWs an der Grenze – einreisen sehen wir zur Zeit kaum mehr jemand.

5 Kommentare

  1. Fasziniert von eurem Blog… 🙏

    Grüße aus der Heimat

    1. Vielen Dank, das tut guuuuut und freut uns sehr!

  2. In french, we say Superbe. We were there 2 years ago to see the gorilla. That’s incredible to see them so close

  3. Amazing pics.

    1. 🙂

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