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Über die „Schwarzwaldhochstraße“ in den Krüger N.P.

Südafrika empfängt uns mit hohen Stacheldrahtzäunen (selbst die Obstplantagen sind hermetisch abgeriegelt, da ansonsten geklaut wird… – nicht nur das Obst, sondern die ganzen Bäume; die Häuser sind aus Sicherheitsgründen eh umzäunt), dichtem Straßenverkehr und viel Zivilisation. Nach Zimbabwe und Mozambique sind wir zunächst etwas desillusioniert, aber wir hatten dies irgendwie auch erwartet. Der Vorteil davon ist, dass wir mal wieder unsere Vorräte ohne Entbehren auffüllen können und Shujaa eine lange überfällige Wagenwäsche bekommt – sogar mit Hochdruckreiniger.

Dann geht es entlang der „Panorama Route“ in die Berge, in die die sogenannten Transvaal Drankensberge: Forstwirtschaft wohin das Auge blickt, langgezogene Bergrücken (der heimische Schwarzwald lässt grüßen), immer wieder tolle glasklare Seen und Wasserfälle, welche in das teilweise bis zu 1.000 Meter tiefere Lowveld hinabstürzen, in der Ferne sieht man im Dunst den Krüger N.P. Im Örtchen Sabie verbringen wir zwei Nächte, um unsere, vom Tauchen in Mozambique, mitgebrachte Erkältung auszukurieren und um Shujaa gründlichen zu reinigen: während Karin sich den Innenraum vornimmt, versuche ich mit meinem Polieraufsatz für die Bohrmaschine die Kratzer der letzten 3 Monate von der Kabine raus zu polieren. Leider fliegt der Polieraufsatz immer wieder durch die Rotation weg…. So dass ich doch um eine Hand-Politur nicht herumkomme.

Der Long Tom Pass ist mit 2.150 Metern der zweithöchste Pass von Südafrika (für Shujaa und uns natürlich, nach unserem Südamerika Höhen-Training mit über 5.000 Metern, keine wirkliche Herausforderung) und der Blyde River Canyon gilt mit einer Tiefe von bis zu 700 Metern als der dritttiefste Canyon der Welt. Obwohl die Ferienzeit der Südafrikaner vorbei ist, sind alle Aussichtspunkte sehr touristisch, so dass wir die Möglichkeit haben, uns auf das was wir im Krüger N.P. gedenken vorzufinden, einzustimmen. Vorher geht es jedoch, abseits von Touristenpfaden, weiter gen Norden in die Provinz Limpopo und wir finden am Ebenezer Damm südlich von Tzaneen, sowie in den Soutpansbergen noch völlig unberührte, traumhafte Natur mit tollen Wildcamping-Möglichkeiten. Dort besuchen wir auch Erika und Melanie (auf deren tollen Private Game Reserve wir schon im Tuli Block in Botswana ein paar Nächte übernachten durften) auf ihrer Macademia-Nuss Farm, haben erneut tolle Gespräche und erfahren viel Interessantes über die großen Herausforderungen des Landes. Im Rahmen einer ganztägigen Quadtour erkunden wir die wunderschönen Seen und Flüsse in den Soutpansbergen. Selbst aus Kalifornien importierte, riesige Redwood Bäume gibt es hier.

Den Krüger N.P. befahren wir vom untouristischen Norden in den deutlich touristischeren Süden. In knapp 5 Tagen fahren wir über 1.000 km im Park, nehmen alle interessanten „Loops“ und Abstecher mit und meiden so gut wie möglich die stärker befahrenen Teerstraßen. Die ersten beiden Campgrounds in den Lodges Shingwedzi und Letaba sind besser als erwartet und wir finden für Shujaa immer ein ruhiges Plätzchen. Außerhalb der Ferienzeit richten sich jedoch die südafrikanischen Rentner auf den Campgrounds häuslich ein mit Vorzelt, Kunstrasen und kompletter Langzeit-Camping-Infrastruktur. Wir hingegen verlassen die Camps morgens um 6.00 h zum Game-Drive und kommen erst kurz vor Sonnenuntergang wieder an…. Ein völlig anderer Ansatz. Je weiter gen Süden wir kommen, je touristischer und voller wird es. Im Lower Sabie Camp ist der dicht belegte Campground mit Mini-Stellplätzen für Shujaa völlig ungeeignet. Wir stellen uns deswegen an eine ruhige Stelle in der Lodge und träumen wie toll es wäre, wenn man im Krüger „Wildcamping“ machen könnte…. Wir hätten da ein paar tolle Spots gesehen, wo man uns mit Sicherheit auch nicht finden würde. Das Risiko einer entsprechend hohen Strafe im Fall der Fälle wollen wir allerdings nicht eingehen.

Entlang der Pirschfahrten, an den Park-Grenzen im Süden, wird uns auch besonders der Unterschied zwischen (fast) unberührter Natur innerhalb des N.P. und den dicht besiedelten und von Agrarwirtschaft geprägten, sich direkt an die Parkgrenzen anschließenden Ländereien deutlich. Das hohe Bevölkerungswachstum mit den daraus resultierenden Konsequenzen ist eines der Haupt-Probleme des Kontinents. Und so schwinden die natürlichen und typisch afrikanischen Landstriche mehr und mehr völlig von der Landkarte.

Unser persönliches Fazit zum Krüger: Tolle Tierbeobachtungen, da wir immerhin die Big 5 mehrfach gesehen haben, zum Teil an einem Tag. Der Park ist perfekt für Self-Driver, auch mit großen Fahrzeugen. Der Tourismus ist im Norden noch o.k., im Süden nur schwer verdaubar, wenn man vorher in der Einsamkeit war und dann die Autokolonnen ertragen muss.

Ein Kommentar

  1. Ihr Lieben, wir sind mal wieder sehr beeindruckt von euren tollen Erlebnissen, Berichten und wie immer sensationellen Fotos! Da auch unser Herz für den Schwarzwald und Afrika schlägt, eine wahrhaftige Traumkombination… 😊

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