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Sansibar – Trauminsel mit geschichtsreichem Mythos

Sansibar ist zweifelsohne der kulturelle Höhepunkt Ostafrikas: Das Aufeinanderprallen der unterschiedlichsten Kulturen (Araber, Inder, Afrikaner), Gewürzplantagen, traumhafte Strände und Stonetown, einer der noch am besten erhaltenen Städte aus (vor-) kolonialer Zeit und im 19. Jahrhundert wichtigste Handelsstadt in ganz Afrika für Sklaven und Elfenbein. Mit entsprechend hohen Erwartungen besteigen wir die Schnellfähre von Dar el Salaam Downtown und kommen in nur 1,5 Stunden in Stonetown an. Kurz zuvor fängt es stark an zu regnen… so haben wir uns unsere Ankunft auf Sansibar nicht wirklich vorgestellt und bangen um das Wetter in den nächsten Tagen. Aufgrund des immer noch starken Autonomie-Status der Provinz Sansibar (erst nach der Unabhängigkeit des ehemaligen Festlands-Staates Tanganika schloss man sich mit dem unabhängigen Staat Sansibar zu „Tansania“ zusammen) müssen wir durch eine Immigration und bekommen sogar einen Stempel in den Pass. Nach einem Corona-Test fragt aber diesmal niemand.

Schon auf den ersten Blick merkt man: Sansibar ist anders. Fast 100% der Bevölkerung sind Muslime (mit entsprechenden Auswirkungen auf z. B. Kleidung und Gotteshäuser). Der bis zur Revolution 1964 dominierende arabische Einfluss ist noch überall gegenwärtig insbesondere im Baustil der Gebäude (auch wenn vieles durch das extrem feuchte Klima zerfallen ist) und die Insel ist ausgesprochen grün. Es gibt noch Reste von Urwäldern, dichte Bananenplantagen und sogar Reisplantagen. Die Bevölkerung ist sehr entspannt und freundlich.

Die ersten beiden Nächte bleiben wir in Stonetown, wo wir mit dem Kholle House ein schönes, in einem alten arabischen Herrscherhaus untergebrachtes und unter französischer Leitung stehendes Boutique-Hotel gefunden haben. Wir erkunden die Stadt, schlendern über Märkte, Karin kauft die üblichen Kettchen etc. ein und wir genießen chillige Abendessen am Strand oder von Dachterrassen. Trotz Corona treffen wir aber auch erstmalig auf dieser Reise auf nennenswerte Touristen-Ansammlungen: Meistens russische Pauschalurlauber (sie dürfen aktuell aufgrund geltender Corona-Bestimmungen in kaum ein anderes Land reisen), die kein Ton Englisch können und kaum Geld in den Geschäften lassen. Dementsprechend beliebt sind sie bei den Einheimischen.

Dann geht es mit einem kleinen Boot rüber auf die 13 km südlich von Stonetown liegende Chumbe Island. Umgeben vom ersten privaten Marine Reservat der Welt – initiiert von einer Deutschen – gibt es hier eine fabelhafte Unterwasserwelt, die als bestes Flachwasser-Schnorchelrevier der Welt gilt. In der Tat haben wir noch nie so prächtige und vor allem noch intakte Korallenriffe gesehen. Die Insel selbst wird beherrscht von tausenden, riesigen Kokos-Krabben und, den sich in temporär „geborgten“ Schneckenhäusern lebenden, Einsiedlerkrebsen. Ein bisschen so wie auf den Galapagos Inseln – man muss permanent aufpassen, wo man hintritt. Die nur aus sieben Bungalows bestehende, preisgekrönte Lodge selbst ist im Öko-Baustil gehalten: nur Regenwasser, Solarstrom und Plumpsklo… und lässt den Traum von einer Robinsonade für eine Nacht wahr werden. Vom über 100 Jahre alten Leuchtturm hat man einen tollen Ausblick auf Sansibar und das kleine Chumbe Island.

Am nächsten Tag fahren wir per Taxi zunächst zum Josani Urwald: hier erst einmal der Touristen-Schock. Viele Kleinbusse spucken Touristen aus, wir müssen am Ticketcounter anstehen, nichts mit Social Distancing und unseren Guide haben wir auch nicht mehr für uns alleine. Wäre uns in Nicht-Corona Zeiten wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, aber so…. Man merkt, dass Tansania eins der wenigen Reiseländer ist, die keinerlei Einreiserestriktionen für irgendwen haben und daher DIE aktuelle Destination ist für alle, die von „Zuhause wegwollen“. Dafür ist der Urwald und der sich anschließende Mangroven-Sumpf sehr schön.

Karin hat heute Geburtstag und sie hat im Vorfeld viel Zeit damit verbracht, schöne Hotels im Internet für ein paar Tage Auszeit zu recherchieren. Bewusst hat sie einen sehr wenig touristischen Abschnitt im Nord-Osten der Insel nördlich Matemwe ausgewählt mit vorgelagertem Riff. Die Spannung steigt, als das erste Hotel mangels Gästen völlig vernachlässigt (insbesondere vor dem Hintergrund des sehr sportlichen Preises) und das zweite Hotel wider Erwarten geschlossen ist. Keine schöne Bleibe an Karin’s Geburtstag… mir schwant schon Böses. Aber das Glück ist mal wieder auf unserer Seite: das dritte und letzte Hotel auf der Shortlist – das Kacha Boutique Hotel – ist ein Volltreffer: auch hier sind wir die einzigen Gäste, aber die Eignerfamilie aus Stonetown verbringt ein Wochenende dort und so ist alles super gepflegt und wir führen nette Gespräche. Unsere Villa mit eigenem Pool in erster Meereslinie ist riesig und hübsch eingerichtet, die ganze Anlage ein paradiesischer Traum und alles zu einem Drittel des normalen Preises.

Wir machen Ausflüge ins deutlich touristischere, aber sein Aussteiger-Flair immer noch behaltene, Nungwi im Norden der Insel, sowie einen Bootstrip zum Mnemba Atoll. Hier haben wir um die im Besitz von Bill Gates stehende Insel erneut tolle Schnorchelerlebnisse. Das Wasser in seinen Farben, die Korallen und vor allem die Fischwelt sind einfach unglaublich.

Nach einer Woche verlassen wir mit etwas Wehmut Sansibar, aber freuen uns auch wieder, Shujaa wohlbehalten auf dem Camping der Sunrise Lodge südlich von Dar es Salaam vorzufinden.

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