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Malawi „The warm heart of Africa”

Dieser Slogan passt extrem gut auf dieses relativ kleine, aber dicht besiedelte Land: genauso viel Einwohner wie Zambia, aber nur 1/6 der Fläche. Davon nimmt ein nicht unerheblicher Teil der Malawisee ein: in diesen drittgrößten See Afrikas passt der Bodensee 55x rein – wie Karin in händischer Arbeit selbst errechnet hat (also Angabe ohne Gewähr 😉). Das Land selbst ist sehr vielfältig: hohe Gebirgszüge wie das Zonda Plateau und das von Teeplantagen umschlossene Mulanje Massiv im Süden sowie der karge, an schottische Hochmoore erinnernde Nyika N.P. im Norden an der Grenze zu Zambia. Dann die Tiefebene am Malawisee: hier spielt sich authentisches, pulsierendes afrikanisches Leben ab. Die Menschen baden und waschen sich, ihre Kleidung und ihre Küchenutensilien im See, die Fischer bringen ihren Fang an Land und…. überall wird gelacht und gewunken.

Malawi gilt, gemäß vieler Statistiken, als eines der ärmsten Länder der Welt. Für uns ist dies in keiner Weise nachvollziehbar und zeigt mal wieder wie vorsichtig man mit Statistiken und Ranglisten umgehen sollte. Die Menschen hier leiden kein Hunger, Wasser gibt es durch Regen und den Malawi-See in ausreichender Menge, so dass Kleinbauern alles Wichtige selber anbauen können und die meisten Menschen sind vernünftig gekleidet. Zambia hingegen, welches aufgrund von Bodenschätzen als deutlich wohlhabender gilt (wovon die normale Bevölkerung aber natürlich nichts hat), haben wir in vielen Bereichen als rückständiger als Malawi wahrgenommen. Und vor allem: die Menschen in Malawi scheinen glücklich, lachen viel und sind Fremden sehr aufgeschlossen. Es steht ihnen förmlich die Wärme und Offenheit ins Gesicht geschrieben. Noch nie auf unserer Weltreise haben wir uns in einem Land so willkommen und sicher gefühlt.

Selten standen wir in einem Land so häufig auf Lodges und deren Campgrounds. Zum einen liegt es daran, dass wir immer alleine dort sind und uns daher die jeweils schönsten Stellplätze aussuchen können und unsere Ruhe haben. Zum anderen liegt es aber auch an der hohen Bevölkerungsdichte, welche ruhiges Wildcampen wie in Namibia, Botswana oder auch Zambia schwieriger macht. Nationalparks mit großen, wilden Tieren gibt es natürlich auch – allerdings stehen diese im Gegensatz zu Malawi’s Nachbar-Länder nicht im Vordergrund.

Unsere Einreise von Zambia nach Malawi klappt mit unseren im Vorfeld beantragten eVisa erneut sehr problemlos. Von unseren Reisefreunden Beate und Robert vernehmen wir zwei Wochen später hingegen, dass deren eVisa ohne Angabe von Gründen abgelehnt wurde… es scheint also nicht alles immer so reibungslos zu klappen wir bei uns bisher.

Wir fahren zunächst über Lilongwe in den Süden. Auf dem Weg, in Balaka, benötigen wir einen Stellplatz, weil es schon langsam dunkel wird. Das jedoch ist nicht ganz einfach, weil es zu viele Menschen hier gibt. Hinter einer großen Kirche werden wir fündig, aber der ansässige Pfarrer sollte seinen Segen geben, also macht sich Karin auf den Weg ihn zu suchen. Sie findet ihn auch und wird gleich zum Abendessen eingeladen. Parken für die Nacht dürfen wir natürlich auch. So verbringen wir einen interessanten Abend mit vier Geistlichen. Und Karin besucht am nächsten Morgen um 6 h noch die Messe.

Im Süden besuchen den Liwonde N.P. wo wir eine traumhafte Bootstour auf dem Shire River machen, bevor es dann auf das Zonda Plateau mit seinen erholsamen kühlen Temperaturen geht. Dort oben wachsen momentan wunderbare, wilde Beeren. Brombeeren, gelbe Himbeeren und Erdbeeren – mit einem Geschmack, den wir nur noch aus unserer Kindheit kennen.

Danach geht es zum Mount Mulanje an der Grenze zu Mozambique. Leider fällt dort unsere Wanderung zu dem Wasserfall im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser: wir geraten in ein heftiges Gewitter und harren unter einem Felsvorsprung aus, bis sich die Fluten um uns herum etwas beruhigen. Wir sind pitschnass und alles tropft. Erstmals seit längerer Zeit nutzen wir anschließend wieder Shujaa’s Warmwasser-Boiler, um uns unter einer heißen Dusche aufzuwärmen. Ungewöhnlich, aber schön, den Regen wieder einmal auf Shujaa’s Dach prasseln zu hören. Im Süden des Mulanje Massivs gibt es weitläufige, grüne Teeplantagen, die wir durchwandern. Abends essen wir toll italienisch – auf der Lodge von italienischen Auswanderern.

Die Fahrt nach Norden, gen Tansania, führt uns fast ausschließlich am knapp 600 km langen Malawisee entlang, wo wir insgesamt vier Stopps an unterschiedlichen Lokationen machen. Die Zufahrten sind für unseren großen Truck manchmal nicht einfach. Eng und tief hängende Äste versperren uns ab und zu den Weg, aber meistens klären sich die netten Lodgebesitzer bereit, die Äste abzuschneiden und die Bäume auszudünnen, das manchmal wahre Laubberge produziert, uns dann aber den Weg frei macht. Die Strände am Malawisee sind einfach zu schön und wir stehen dann im Sand direkt am Ufer.

Je mehr man nach Norden kommt, je höher werden die Berge und je geringer wird die Bevölkerungsdichte. Die raue Landschaft und wilden Pisten im Nyika Plateau bringen uns in eine ganz andere, karge Welt, die wir so nicht in Malawi vermutet hätten. Farne, grüne Proteen und frische Blumen sowie flache Hügel mit Antilopen und Zebras scheinen im heißen Afrika fast unwirklich. Es ist so schön und erholsam, dass wir eine lange Quadtour durch den Park unternehmen. Irgendwann scheppert es und wir bemerken, dass wir den Batteriekastendeckel verloren haben, den wir zwar wieder einsammeln können, aber die Schrauben sind natürlich weg. Der Rückweg scheint also schwierig zu werden, weil ohne den Deckel, die Batterie keinen Halt mehr hat. Karin schafft jedoch schnell Abhilfe. Kurzerhand entfernt sie den Schnürsenkel von Ihrem Turnschuh und bindet den Deckel einfach damit fest. Et voilà.

Fazit Malawi: auch wenn die absoluten Highlights und weltbekannten Nationalparks fehlen, ist es dennoch ein absolut tolles Reiseland – geprägt von den liebenswerten Menschen und den wunderschönen, sehr unterschiedlichen Landschaften.

5 Kommentare

  1. Liebe Karin, lieber Oliver,
    wie erholsam und unterhaltsam sowie inspirierend Eure Schilderungen. Plane gerade eine Malawi und Sambia Reise und das fördert die Vorfreude. Hoffe ich komme im Winter noch weg. da werden wir uns leider verpassen. Weiter eine gesunde und sichere Fahrt.
    Liebe Grüße
    EUer Helmut

    1. Lieber Helmut,
      ja, das ist ja eine Überraschung. Malawi ist superschön – gute Entscheidung. Da wünschen wir Dir das Allerbeste und eine gute Entwicklung aller Rahmenbedingungen. Gib Bescheid, wie es DIR gefallen hat …
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  2. Ihr Lieben, welch wundervolle Eindrücke und berührende Bilder! Wie jedes Mal erleben wir durch eure eindrucksvollen Schilderungen und Fotos eure Reiseerlebnisse ein bisschen mit und freuen uns immer sehr darüber. Es ist jedes Mal ein Highlight in unserem Alltag! 🤗

  3. Wunderbare, fantastische Aufnahmen – einmalig! Geniesst weiterhin diesen Luxus frei zu reisen, take care and all the best:)

    1. Lieber Roland,
      danke und ja, Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie dankbar wir sind, dass wir weg sind. Und es ist wirklich einfach hier. Fast als ob nichts wäre.
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

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