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Fahrerische Herausforderungen in den nordperuanischen Anden

Nach 5 Tagen guter Erholung in Vilcabamba mit Sport und Yoga sind wir bereit für neue Herausforderungen und fahren auf einer immer kleiner werdenden Piste entlang traumhafter Anden-Berglandschaften zum Mini-Grenzübergang nach Peru bei Balsa. Wir lieben kleine Grenzübergänge: exotisch, keine Wartezeiten, freundliche Grenzer und alles sehr familiär. In gut einer Stunde, einschließlich aller Zollformalitäten für unsere beiden Fahrzeuge, sind wir durch.

Wir sind sehr gespannt auf Peru, sind wir doch im März, bei unserer Fahrt gen Norden nur entlang der Küste gefahren, und hatten einen etwas gemischten Eindruck vom Land und von den Peruanern bekommen. Diesmal geht es durch die Anden von Norden Richtung Cordillera Blanca, dann über Lima Richtung Cusco.

Zunächst einmal besichtigen wir aber die dritthöchsten Wasserfälle der Welt – die Gocta Wasserfälle – wo wir erst bei Dunkelheit, nach 4-stündiger Wanderung, wieder bei Shujaa ankommen; nur gut das unser Parkplatz auch gleich unser Übernachtungsplatz ist. Dann geht es weiter zur Ausgrabungsstätte Kuelap. Sie ist in der historischen Bedeutung und in den Ausmaßen durchaus mit dem viel bekannteren Macchu Pichu gleichzusetzen, aber u. a. aufgrund der aufwändigen Anreise durch die nördlichen peruanischen Anden sehr viel weniger besucht.

Die gewaltige Festungsanalage wurde auf einem der höchsten Bergrücken auf über 3.000 Meter erbaut, aus 100 bis 200 kg schweren behauenen Steinen und wurde 1843 eher zufällig entdeckt. Die gesamte Anlage ist von einer 1,5 km langen und ca. 20 Meter hohen Mauer umgeben. Die Inkas konnten, die von den Chachapoya Indianern erbaute Anlage, nie völlig unter Kontrolle bringen und die koloniale Spanier haben sie nie entdeckt. Eine seit wenigen Jahren installierte, hochmoderne Umlauf-Gondelbahn hat die Anreise mittlerweile wesentlich erleichtert. Im letzten Teil unserer Besichtigung fängt es heftig an zu regnen – mit meinen Shorts wird es auf über 3.000 Metern plötzlich bitter kalt und auch die kleine Erdpiste mit der wir mit Shujaa von der Seilbahnstation wieder ins Tal fahren müssen, ist in kurzer Zeit extrem durchweicht. Beim Rangieren in einer engen Serpentinenkurve bewahrt uns nur Allrad und alle drei Differentialsperren vor einem tiefen Graben. Shujaa stand schon bedrohlich schief und nur wenige Zentimeter vor der Felswand.

Wir fahren weiter durch das immer einsamer werdende, aber wunderschöne Rio Utcubamba Tal gen Süden auf einer der berühmt-berüchtigten Anden-Straßen. Der Abzweig zu den Mausoleen Revash ist – obwohl Erdstraße und ebenfalls durch Regen durchnässt – zunächst gut fahrbar, nach einem weiteren Abzweig wird die Straße jedoch immer matschiger. Obwohl Shujaa immer noch gute Traktion bei der Bergfahrt hat, entscheiden wir uns in einer engen Kurve rückwärts ca. 3 km wieder zurückzufahren. Das Risiko in eine tiefe Schlucht zu stürzen, wollen wir nicht eingehen und eine Wendemöglichkeit gibt es weit und breit nicht. Unter höchster Konzentration läuft Karin rückwärts vorweg und gibt mir Anweisungen via Funk. Ich habe die ganze Zeit Angst, dass Shujaa auf der schlammigen, abschüssigen Rückwärtsfahrt mit dem vollgesetzten Reifenprofil ins Rutschen kommt…. Dann wäre nichts mehr zu machen gewesen. Glücklicherweise sind wir nach 30 Minuten wieder auf der festen Erdstraße und beziehen dort am Wegesrand unser Nachtlager. Ich bin sehr erschöpft. Dies war sicherlich im Hinblick auf einen möglichen Totalverlust des Fahrzeugs der gefährlichste Moment auf unserer bisherigen Weltreise.

Am nächsten Tag machen wir uns auf eine der schwierigsten Bergpisten von Peru – von Leymebamba nach Celendin. Viele Overlander mit deutlich kleineren Fahrzeugen sind umgekehrt, häufig ist die Piste über Wochen unpassierbar wegen Hangabrutschen etc. Das Wetter ist jedoch trocken, später kommt sogar die Sonne raus. Das was wir auf den nächsten gut 150 Kilometer, für die wir knapp 9 Stunden benötigen, erleben, kann man nur unter dem Begriff „einmalig und einzigartig“ beschreiben.

Fahrtechnisch eine einzige Herausforderung: über lange Strecken ist die Piste gerade mal so breit wie Shujaa’s Spur, auf der einen Seite der Felsen, oft mit Überhängen, auf der anderen Seite der ungesicherte Abhang, wo es sofort über 1.000 Meter steil bergab geht. Ein Fahrfehler und das war es – mit uns, mit Shujaa, mit allen unseren Lebensträumen. Es herrscht zwar insgesamt wenig Verkehr, aber von Zeit zu Zeit kommen halt doch PKWs und selbst LKWs entgegen. Dann heißt es, teilweise über längere Passagen bis zur nächsten Ausbuchtung, zurückrangieren. Zum Glück müssen das aber meistens die anderen machen, da wir immer das größte Fahrzeug und damit wenigstens in dieser Situation im Vorteil sind, zudem haben wir vieeeeel Geduld und bleiben einfach so lange stehen, bis sich etwas bewegt. Auf dieser Straße mit unserem Shujaa zurückfahren wäre Wahnsinn. Selbst mit Karin außen, die mich immer wieder super dirigiert, und meinen inzwischen doch sehr guten Fahrkünsten (was mir Karin fast täglich bewundernd bestätigt).

Zunächst geht es von 2.000 Meter auf einen Pass auf 3.600 Meter mit nur noch 8 Grad, dann wieder in die tiefe Schlucht des Rio Marañon auf 700 Meter mit tropischen 35 Grad. Karin kauft dort mal wieder Früchte und ihre geliebten Coco al Helado. In diesem Ort, Balsa, müssen wir über eine Stahl-Seilbrücke, deren Seile schräg nach unten am Boden oder am Fels enden, fast kommen wir mit unserer Höhe auf der anderen Seite nicht unten durch, aber wir schaffen es zum Glück gerade so. Dann geht es erneut hoch auf engsten Straßen mit wildesten Serpentinen zu unserem Nachtplatz auf 3.000 Meter Höhe. Landschaftlich ist es ein Traum – ein absoluter Höhepunkt unserer bisherigen Reise. Nach Ankunft auf unserem Traum-Stellplatz mit Blick in das Flusstal und auf fast die ganze Piste des heutigen Tages gehe ich erst einmal joggen, um das Adrenalin abzubauen.

Weiter geht es gen Süden über Celendin, Cajamarca nach Huamacucho. Nachdem wir uns dort noch den örtlichen Markt angeschaut haben geht es hoch auf 3.600 Meter zum archäologischen Komplex Marca Huamachuco. Das sogenannte „Dorf der Falken“ dehnt sich auf 5 km aus und ist ca. 500 Meter breit. Es wurde 400-300 v. Chr. auf einem stufenförmigen Felsabbruch gebaut und ist von bis zu 800 Meter tiefen, unzugänglichen Schluchten umgeben. Wir wandern 1,5 Stunden durch die Anlage: die teilweise noch recht gut erhaltenen Ruinen vor der traumhaften Andenlandschaft ist der absolute Hit. Unseren Stellplatz finden wir nur 200 Meter unterhalb der Anlage in einer Kurve der Zufahrtspiste – mit ebenfalls Traumausblicken.

4 Kommentare

  1. Chapeau!! Für Oliver als Fahrer und für Karin als Beifahrerin! Ich wäre vermutlich tausend Tode gestorben…. 🙂 Ihr seid echt ein wenig verrückt!!!!!???? Aber diese Nervenkitzel machen natürlich dann auch so eine Tour zu was ganz besonderem! Ich bin gespannt, was Euch so als nächstes begegnet…

    1. Hi Monika,
      na ja, den Nervenkitzel braucht’s nicht unbedingt, aber es ist ja auch alles relativ. Wer, wie empfindet. Und zum Glück passt es am Ende dann schon. Die Natur entschädigt für Vieles.
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  2. Tolle Fotos – abenteuerlicher Abschnitt – Respekt
    Peru war bei mir Liebe auf den ersten Blick…..

    1. Danke Dir. Bei uns war es tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Als wir vor ein paar Monaten hier waren, allerdings fast nur an der Küste, fanden wir es im Gegensatz zu den anderen Ländern eher „naja“. Viel Dreck und Abfall, Menschen gar nicht soooo nett, Landschaft ok. Aber das hat sich nun sehr geändert. Peru ist toll.

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