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Expedition ins Kaokoveld: Völlige Einsamkeit und fahrtechnische Herausforderungen pur

Das Kaokoveld gilt als eine der einsamsten und unwegsamsten Regionen des ganzen südlichen Afrikas: es wird empfohlen, Expeditionen dorthin mindestens mit zwei Fahrzeugen zu unternehmen, da im Pannenfall kaum Hilfe möglich ist. Die wenigen Pisten werden kaum gepflegt und es gibt keine Versorgungsmöglichkeiten (Sprit, Lebensmittel etc.). In dieser unwirtlichen Abgeschiedenheit leben nur ein paar Himbas und verschiedene Gebiete sind offiziell sogar gesperrt, da sie private Konzessionsgebiete exklusiver Lodges sind, die ihre Gäste in diese Einsamkeit einfliegen lassen. Genau das richtige für uns, schließlich haben wir ja gerade deswegen auch unsere „Kontinentenreihenfolge“ umgestellt und haben nicht, nach Südamerika, zunächst Mittel- und Nordamerika bereist, sondern haben Afrika vorgezogen.

Um es vorwegzunehmen: es war eine grandiose Erfahrung. Wir haben keine Reifen- oder sonstige Schäden am Fahrzeug zu beklagen, trotz verschiedener grenzwertiger Situationen. Nur die Starterbatterien ärgern uns schon wieder, aber dazu später.

Wir starten in die Einsamkeit in Seesfontein, tanken noch einmal randvoll Diesel und Wasser und plündern die wenige Sachen, die wir aus dem dortigen Supermarkt (besser Kramerladen) noch gebrauchen können. Dann geht es los, entlang des Huab Riviers gen Westen: über das tiefsandige ausgetrocknete Flussbett geht es immer weiter gen Skelett-Küste. Nur die gerade für dieses Rivier bekannten Wüstenelefanten wollen sich nicht zeigen. Wir fahren sogar zu einer auf einem privaten Konzessionsgebiet liegenden Luxus-Lodge, um uns nach dem aktuellen Aufenthaltsort der Elefanten zu erkundigen. Man staunt nicht schlecht, als wir hier mit Shujaa vorfahren, und fragt sich, wie wir es hierhin geschafft haben (alle Gäste werden per Kleinflugzeug eingeflogen), aber zu den Elefanten kann man leider auch nur berichten, dass sie gerade dabei sind, das Tal Richtung Skelett-Küste zu verlassen. Wir fahren hinterher bis an die Grenze des fahrbaren Bereiches – leider ohne Erfolg. Dann übernachten wir in den Traum-Dünen bei Amspoort, wo wir abends den Nebel von der Skelett-Küste in die Wüste ziehen sehen und dann geht es in den Hoarusib Canyon, Richtung Purros. Statt Elefanten finden wir hier teilweise noch recht tiefes Wasser und – herausfordernder – schlammige Flusspassagen vor. Nachdem wir ja spezielle Erfahrungen in der oberflächlich ausgetrockneten Lagune in Nordargentinien gemacht haben, durchwate ich die meisten Flussdurchfahrten vorher zu Fuß, um die Tragfähigkeit des Untergrundes zu testen. Obwohl Shujaa manchmal etwas im Schlamm wühlen muss, geht alles gut. Wir merken gerade an dieser Passage, dass wir in solchen Situationen mittlerweile schon sehr routiniert geworden sind.

Als wir ganz am äußersten Nord-/West Ende von Namibia – im Hartmannstal – in völlig bizarrer Dünen-/Felslandschaft unsere Mittagspause beendet haben, startet Shujaa wieder nicht. Die Batterien sind, obwohl ja gerade vor gut 2 Wochen in Swapkopmund getauscht, wohl wieder zu schwach. Großer Frust macht sich breit, aber in der eigenen Starhilfe mittels unserer Aufbaubatterien sind wir mittlerweile routiniert. Dennoch grübeln wir viel rum: haben wir einfach trotz „Durchmessens“ vor Einbau schlechte, zu lang gelagerte Batterien erwischt oder gibt es doch einen anderen, tieferliegenden Grund? Einen versteckten Verbraucher vielleicht? Wir beschließen, unsere Tour durchs Kaokoveld wie geplant fortzusetzen, und ins „benachbarte“ Marienflusstal zu fahren. Die Pisten sind mehr als grenzwertig und Shujaa kann sein überlegenes Kraxeltalent voll ausspielen. Unglaublich, was das Fahrzeug bei der Durchquerung durch tiefe, ausgewaschene Furten mit losem Untergrund alles kann. Wir denken manchmal ans Umdrehen und versuchen es dann doch, und müssen uns wundern wie mühelos dann doch Shujaa die Abschnitte meistert. Glücklicherweise gibt es recht wenige Bäume, so dass wir nur selten zur Astschere greifen müssen. Dafür häufiger zum Vorschlaghammer (um große Steine zu zerlegen, die wir nicht wegtragen können) und zur Schaufel (um Passagen zu begradigen und tiefe Löcher zu egalisieren). 150 km werden somit zur tagesausfüllenden Etappe.

Das Marienflusstal liegt etwas weiter östlich und ist daher etwas grüner als das völlig karge Hartmannstal. Die grünen Mopane-Bäume auf rotem Sand sind ein toller Kontrast und als wir unten den Kunene, den Grenzfluss zu Angola, erreichen, stehen wir am Ufer und hören den Wind sanft durch das Schilf streichen. Die massigen, hohen Berge Angolas ragen gleich auf der anderen Flussseite hoch. Wir kommen an völlig ursprünglichen Himba-Dörfern vorbei und haben in den letzten sechs Tagen nur drei Autos gesehen. Zurück Richtung Opuwo, Provinzhauptstadt, müssen wir noch verschiedene fahrtechnische Herausforderungen der sehr anspruchsvollen Art bestehen. Dort ergibt dass Durchmessen der Batterien, dass eine Batterie nicht die notwendige Spannung liefert: vom Händler in Swapkopmund, wo wir die Batterien vor zwei Wochen haben einbauen lassen, wird uns auf Garantie eine Ersatzbatterie geschickt, die auch tatsächlich am nächsten Abend auf der tollen Lodge eintrifft, wo wir uns zu meinem runden Geburtstag auf dem Hotelparkplatz einquartiert haben – ein zusätzliches Geburtstagsgeschenk.

Die Stimmung ist wegen unserer schönen Erlebnisse, trotz des Batterieproblems, erstaunlich gut, auch noch als nach Einbau, der neu gelieferten Batterie, Shujaa immer noch über unsere Aufbaubatterien fremdgestartet werden muss. Gelingt es mir endlich, mit solchen Situationen etwas entspannter umzugehen und darauf zu vertrauen, dass es „immer eine Lösung geben wird“?

Wir fahren hoch zum Kunene Fluss, diesmal zu den Epupa Falls, wo wir auch eine schöne, sehr idyllische Rafting Tour machen. Auf dem Weg besuchen wir noch ein Himba-Dorf. Am Fluss sind wir auf dem gleichen Campground wie bei unserer Urlaubsreise vor 6,5 Jahren…. Und wieder gefällt uns es hier sehr gut. Interessant, da häufig beim zweiten Mal die Begeisterung ja eher abnimmt. Entlang des Kunene fahren wir gen Osten gen Ruacana und damit langsam wieder in die Zivilisation. In Kamanjab suchen wir das unter Overlandern bekannte „Otti-Koppi-Camp“ auf (wir sind aber wie schon häufiger an solchen Hotspots für uns alleine) und kümmern uns bei einer bekannten Werkstatt um die Batterieproblematik.

 

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