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Der Westen Zimbabwes – Dollars oder $-Schuldverschreibungen?!

Was haben wir nicht alles über Zimbabwe von anderen Overlandern im Vorfeld gehört bzw. gelesen: unzählige Roadblocks mit korrupten Polizisten, die sich ihren seit Monaten ausstehenden Lohn auf diese Weise aufbessern wollen, zusammengebrochene Treibstoffversorgung, völlig unklare Währungsverhältnisse (es existieren als Zahlungsmittel sowohl USD wie auch USD Schuldverschreibungen des Staates, sog. Dollar-Bonds) usw. Viele Overlander meiden daher das Land, allerdings soll sich die Situation seit Abdankung von Präsident Mugabe etwas gebessert haben. Wir wollen uns auf jeden Fall ein eigenes Bild machen.

Wir benutzen bewusst den winzigen Grenzübergang von Botswana nach Zimbabwe bei Panamatenga. Dort ist man super freundlich und die Aus- bzw. Einreise geht schnell. Natürlich müssen Visa (unsere ersten auf unserer Weltreise überhaupt), Straßenbenutzungsgebühren, Carbon Tax usw. in harten USD gezahlt werden.

Anschließend geht es auf Nebenstraßen nach Victoria Falls. Auch hier waren wir vor 6,5 Jahren schon einmal, aber das Spektakel des, über eine 1,6 km lange Abbruchkante herabstürzenden, Zambesi ist immer wieder beeindruckend. Vor allem, weil wir jetzt noch den recht frischen Vergleich mit den Iguazu-Fällen in Brasilien haben. Wir gönnen uns einen stilvollen Sundowner im legendären Victoria Falls Hotel und gehen lecker essen. Hier in Victoria Falls funktioniert die Versorgung noch ganz gut – schließlich kommen hier die fast einzigen Einnahmen, des ansonsten um über 90% zurückgegangenen Tourismus her. Allerdings sehen wir hier zum ersten Mal sehr lange Warteschlangen an der einzigen, in Betrieb befindlichen, Tankstelle. Direkt am Zambesi, etwa 500 Meter oberhalb der Wasserfälle, finden wir einen schönen Stellplatz für die Nacht und hören das Rauschen der Fälle im Hintergrund. Das Geldwechseln gestaltet sich schwierig: einen offiziellen Tauschkurs zwischen USD und den $-Bonds gibt es nicht, jeder legt ihn für sich fest (am liebsten natürlich 1:1). Mit viel Mühen kann ich 50 USD zum Kurs 1:8 wechseln, aber die Taxifahrer brauchen gut eine Stunde, um diesen, für uns überschaubaren, Betrag in $-Bonds zu beschaffen. Die Alternative – Zahlung per Kreditkarte – ist auch nicht optimal, da auch der $-Bonds einfach mit $ tituliert wird, und man damit nicht weiß, mit welcher Währung man nun de facto bezahlt.

Mit noch in Botswana gut gefüllten Dieseltanks fahren wir gen Süden zum Hwange N.P. Dieser Park galt früher einmal als der wildreichste und abgelegenste Park im ganzen südlichen Afrika. Mit ungezügelter Wilderei und erbarmungslosem Jagdtourismus, als lukrativem Devisenbringer, ging es jedoch bis zur Jahrtausendwende stetig bergab, dann brach die Parkinfrastruktur komplett zusammen: kein Treibstoff mehr für die Jeeps der Ranger, kein Diesel mehr zum Betreiben der Wasserpumpen für die künstlich bewässerten Dämme usw. Dennoch gab es verschiedene private Lodges und ehrenamtliche Organisationen, die dem Park die Fahnenstange hielten. Wir waren sehr vom Hwange N.P. angetan: zwar haben wir diesmal keine Löwen oder Leoparden gesehen, aber ansonsten war alles dabei. Es gibt viele in der Trockenzeit künstlich (mittlerweile mit Solarstrom) bewässerte Wasserstellen, wo sich viele Hippos, riesige Krokodile und sonstige Tiere tummeln. Natürlich ist die Tierdichte nicht so intensiv wie im Okavango Delta, aber wir haben hier deutlich mehr gesehen, als z. B. im Central Kalahari G.R. Zudem ist der Park sehr wenig besucht (teilweise haben wir nicht mehr als 4-5 Fahrzeuge pro Tag getroffen) und es gibt schöne, sehr einsame Wildcamps wo man i.d.R. alleine übernachtet ohne Zaun, Nachbar oder sonstiges. Die Landschaft ist extrem abwechslungsreich und schön: mal felsig, mal sandig, mal große schöne Bäume, mal Mopane-Busch (wie überall), mal gelbe Grassteppe, viele große natürliche Wasserstellen, grüne Flusstäler. Insgesamt haben wir drei tolle Tage im Hwange verbracht, bevor wir über Bulawayo (der zweitgrößten Stadt Zimbabwes, wo der Verfall der Industrie deutlich zu sehen ist) wieder nach Botswana einreisen und seit ein paar Tagen in Francistown auf unsere Quad-Ersatzteile warten und warten und warten…. Das Teil kommt nicht aus dem Zoll raus, trotz intensivem Nachfassen unserer Werkstatt. Auch das gehört leider zu einer Weltreise dazu, aber so „disfrutieren“ wir ausgiebig (Spanisch: disfrutar = erholen).

3 Kommentare

  1. Tolle bilder von die schone natur aber es die menschen die der welt zerstoren
    Viel cluck und gesundheid

    1. Hallo Peter,

      vielen Dank, ja, das stimmt leider. In dem Fall sind es wie so oft wenige an der Spitze, die die Menschen im Land leiden lassen. Die Menschen sind hier so nett und positiv, als ob all die Probleme nicht existieren würden. Davor haben wir großen Respekt.

      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  2. einmal mehr einfach nur WOW! ich wünsche euch ein genussvolles ERHOLEN 😉

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