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Der Oriente: Ecuador´s Amazonas Regenwald

Vom vulkandurchzogenen Hochland fahren wir über Baños und entlang vieler großer Wasserfälle in das Amazonas-Tiefland. Ecuador hat zusammen mit Peru den höchsten Anteil von Primär-Urwald und wir haben uns in einer Urwald-Lodge eingebucht. Auf dem Weg nach Coca, dem Startpunkt der Tour, fahren wir mit Shujaa auf kleinen Urwaldpisten über wacklige Brücken und durch Flüsse hindurch immer entlang des Rio Napo. Zögern tun wir nur bei ein paar Brückenüberfahrungen, die laut Schild nur für 10 Tonnen zugelassen sind und an einer Brücke auch ein großes Loch zwischen den Stahlträgern klafft. Wir übernachten auf dem Fußballplatz einer kleinen Schule (viel andere Alternativen gibt es aufgrund des undurchdringlichen Dschungels nicht, wenn man nicht gerade mitten auf der Piste übernachten will). Dort trainiert man für ein am nächsten Tag stattfindendes Turnier, der Lehrer ist gleichzeitig Trainer, hat 10 Kinder und ist sehr nett. Am Abend beginnt ein heftiger Urwald-Regen mit Blitz und Donner, der auch noch die halbe Nacht anhält. Der Fußballplatz, auf dem wir stehen, ist am nächsten Morgen immer noch ein See, aber die Durchquerung bei der Abfahrt gelingt uns problemlos.

Als wir am nächsten Tag in Coca ankommen und – völlig ungewohnt – mal wieder unsere Reisetasche für unseren 4-tägigen Lodge-Aufenthalt packen, mache ich danach beim Joggen Bekanntschaft mit drei lokalen Straßenhunden. Ich werde parallel von allen dreien attackiert, sie beißen sich an mir fest und wollen, trotz massiven Abwehrversuchen meinerseits, nicht von mir lassen. So ziehe ich mir sieben stark blutende Bisswunden an den Beinen zu und nur das beherzte Eingreifen einer Anwohnerin mit Eisenstange verhindert noch Schlimmeres. Aufgrund fragwürdiger hygienischer Verhältnisse verzichte ich auf die angebotene Verarztung durch die helfende Nachbarin vor Ort und jogge unter Schmerzen und blutend zurück zu Shujaa. Nachdem Karin den ersten Schock, als sie die Tür öffnet, überwunden hat, verarztet sie mich professionell….und leidet stärker als ich. Wir sind glücklicherweise mit unserer umfänglichen Reiseapotheke perfekt ausgestattet und nach Rücksprache mit unserem deutschen Hausarzt haben wir auch das entsprechende Antibiotikum (eines von sechs) an Bord, so dass wir uns entscheiden kein Krankenhaus bzw. Arzt aufzusuchen. Bisher verheilen die Wunden sehr gut und es scheint, als ob ich noch einmal „Glück im Unglück“ gehabt habe.

Mit verbundenen Beinen besteige ich mit Karin am nächsten Morgen das Speed-Kanu mit 2 x 120 PS, welches uns in gut zwei Stunden flussabwärts entlang des Rio Napo zur Anlegestation der Sacha Lodge bringt. Von dort wandern wir 20 Minuten, dann steigen wir in kleine Paddel-Kanus um, die uns entlang kleiner, verwachsener und wunderschöner Kanäle und dann über einen großen See zur eigentlichen Lodge bringen. Schon die Anreise ist ein Traum und wir sehen viele Vögel und Kaimane. Kaum haben wir zu Mittag gegessen und unser Zimmer bezogen, geht das eng getaktet Programm los. Um mit Kanufahrten, Wanderungen, Aussichtsturmbesteigungen bis in 100 m Höhe, 300 m langen Hängebrücken und sonstigen Exkursionen das Maximale zu sehen, werden wir um 5.00 h morgens geweckt und häufig machen wir nach dem Abendessen auch noch Nacht-Ausflüge, da dann der Urwald am aktivsten ist und die ganzen Krabbeltiere, Taranteln und Schlangen so richtig zum Vorschein kommen. Bei einem der Ausflüge fischen wir Piranhas. Die kleinen Biester fressen sehr schnell und das Fleisch am Haken ist im Nu weg. Wir besuchen auch eine ansässige, authentische Community am Ufer eines langen Seitenarms des Rio Napo, wo uns die Frauen der Community über ihr Leben berichten, Essen zubereiten und sonstige interessante Informationen vermitteln. Die gegrillten Käfermaden waren nicht so schlecht, die ich gegessen habe. Allerdings roh ging das nicht, was die Einheimischen natürlich lieben. Das typische Jagdblasrohr der Quechua haben wir auch ausprobiert.

Wir sind zusammen mit zwei holländischen Paaren und unseren beiden Guides Oscar und Louis eine kleine Gruppe und bekommen viel zu sehen. Es ist immer wieder faszinierend, was die Guides mit bloßem Auge an Tieren erkennen…. Ohne sie hätten wir mit Ausnahme von ein paar Affen und Vögeln wahrscheinlich nicht viel gesehen. Es ist nicht so, dass im Urwald an jeder Ecke ein Tier oder Vogel sitzt. Die verstecken sich schon auch gut vor uns. Sogar ein Faultier und einen Otter bekommen wir zu Gesicht…. Nur die berühmte und hier ansässige Anaconda will sich nicht zeigen.

Nach vier intensiven und wunderschönen Tagen müssen wir leider wieder abreisen, aber wir freuen uns auch wieder sehr auf unser trautes Heim – Shujaa. Wohlbehalten finden wir ihn in Coca auf dem eingezäunten Parkplatz vor, bewacht von drei Kampfhunden (die nach meinen Hunde-Erfahrungen erst einmal bei unserer Ankunft angekettet werden müssen), wie abgestellt. Entlang der kolumbianischen Grenze, wo es noch verschiedene Splittergruppen der FARC geben soll, von denen wir aber nichts bemerken, verlassen wir den Amazonas mit 98% Luftfeuchtigkeit und genießen wieder die trockenere Luft im Hochland.

Am Abend übernachten wir am Wasserfall San Raphael, mit 150 Meter der höchste Wasserfall Ecuadors. Wir hören ein dumpfes Grollen und Zischen, ähnlich einem Donner, was aber definitiv kein Donner ist. Karin geht besorgt raus und spricht mit dem Parkwächter vom Wasserfall. Es ist der sehr aktive, doch meistens in Wolken versteckte Vulkan Reventador, der da vor sich hinprusted und immer wieder Lava ausspuckt. Es gibt aber wohl keinen Grund zur Sorge und der Parkwächter lacht nur ob Karin’s sorgvollem Blick: „todos normal“. Wir sehen außer Wolken nichts und vertrauen dem Einheimischen, der hier schon lange mit den Geräuschen leben.

8 Kommentare

  1. Hallo Ihr Weltenbummler,
    ich verfolge Eure Reise von Anfang an und bin immer wieder gespannt auf die Blogeinträge, sehr spannend geschrieben, Oliver.
    Mich packt das Fernweh und mit Euren traumhaften Fotos kann ich ein wenig abtauchen in eine andere Welt.
    Ich wünsche Euch von Herzen auch für die zukünftigen Ziele alles Gute, sanfte Hunde, festen Untergrund 👍🤗 und Dir Karin weiterhin Mut so offen zu schreiben. Dein Eintrag hat mich sehr berührt.

    Herzliche Grüße von der Nordsee
    Birgit

    1. Hallo Birgit,
      danke Dir, dass unsere Schreibe Dir gefällt. Das freut uns sehr. Und nicht nur träumen … auch realisieren! Das ist wichtig und geht oft und immer irgendwie.
      Liebe Grüße
      Karin & Oliver

  2. Wunderschöne Bilder! Man kommt in Versuchung, die berufliche Tretmühle zu verlassen…..Bei der Hundeattacke habe ich mit dem armen Oliver mitgelitten: wärst Du mal Rad gefahren;-)
    Lasst es Euch weiterhin gut gehen!
    Liebe Grüße auch von Petra.
    Steffen

    1. Hallo Ihr beiden,
      na hoffentlich … nichts habe ich je weniger bereut. Es ist einfach phantastisch. …. Jaja, jetzt plötzlich wieder, werden einige sagen 😉 aber wie gesagt, Stimmungsschwankungen gehören auch dazu.
      Bussi aus Quito
      Karin & Oliver

  3. bei Euren wunderschönen Fotos und Berichten bekomme ich so Fernweh, dass es fast schmerzlich ist…. ! Und sooooo schön!
    Nur noch 30 Tage bis Peru……

  4. Ihr Lieben, oh je, was für ein Schreck mit den Hunden! Aber alles richtig gemacht ( Kompliment, Karin!)und das wichtigste ist dabei ja auch die Impfung gegen Tetanus.
    Ansonsten wecken eure lebendigen Schilderungen und tollen Fotos bei mir Erinnerungen an meine Zeit in Ecuador.
    Wir wünschen euch weiterhin so unvergessliche Eindrücke, Ihr seht so richtig erfüllt und glücklich aus! Passt auch weiter schön auf euch auf. LG k&m

  5. Hammer mässig!! Kenne euch ja nicht persönlich aber wirklich super schön dabei sein zu können.

    1. Danke das ist lieb und freut und Hammer mässig 😉

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