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Carretera Austral: Traumstrasse mit Vulkanen, Gletschern, Wasserfällen und umgestürzten LKWs

Am Morgen fahren wir von unserer Nachtfähre, die uns von der Insel Chiloé zum nördlichen Beginn der Carretera Austral – sie ist eine der zehn Traumstraßen der Welt – gebracht hat, herunter und fahren erst einmal durch den Ort Chaiten. Er wurde 2008 durch einen verheerenden und völlig überraschenden Vulkanausbruch völlig zerstört. Die Asche wurde bis nach Südafrika getrieben.

Dann fahren wir nordwärts zum Beginn der Carretera Austral in den Pumalin Nationalpark – absolut beeindruckend was Doug Tompkins, der Gründer von North Face, hier realisiert hat. Er hat Land in der Größe von Bayern zusammengekauft, um es vor Straßen- und Staudammbauten zu schützen, sowie wunderschöne, naturbelassene Wanderwege und Campingplätze angelegt – und dies alles ohne Eintritt. Wir haben im Nachgang viel über Doug Tompinks gelesen und Filme angeschaut, ein beeindruckender Mensch und wahnsinnig bescheiden und zurückgenommen. Ich denke, er ist in der dritten Stufe der kapitalistischen Bedürfnispyramide angekommen. Nachdem einem materielle Werte wie Häuser, Yachten etc. nichts mehr „geben“, und auch der Besitz von Fußballclubs keinen wirklichen Grenznutzen mehr bringen, geht es dann um das Thema Nachhaltigkeit. Die Natur und den Schutz dessen sowie diese möglichst ursprünglich zu erhalten steht dann an oberster Stelle. Und wie wir finden zu Recht. Es ist ein wunderbarer Park.

Nachdem es am ersten Tag im Pumalin Nationalpark noch extrem regnet, passend zu unseren Wanderungen zu wunderschönen Wasserfällen, bei denen wir pitschnass werden, haben wir am nächsten Tag strahlend blauen Himmel. Wir beginnen unsere erste Vulkanbesteigung während unserer Weltreise auf eben den besagten Chaiten der erst 2008 letztmalig aktiv war. Am Kraterrand angekommen, haben wir einen gigantischen Blick: unter uns zwei verschiedenfarbige Kraterseen, auf der gegenüberliegenden Bergseite ein rauchender Hang und hinter uns der Blick ins Tal mit dem Fluss, der mit seinen Schlammmassen 2008 Chaiten unter sich begraben hat.

Nach dieser Traumwanderung fahren wir weiter die Carretera Austral über 1.000 km und insgesamt 7 Tagen gen Süden entlang der chilenisch/argentinischen Grenze, begleitet von Gletschern, Wasserfällen, Vulkanen und Seen. Und das Wetter wird mal wieder schlechter, dann wieder besser.

Am azurblauen See General Carretera besichtigen wir die bekannten Marmorhöhlen, die uns spektakuläre Bilder schenken und eine raue Bootsfahrt obendrein. Karin sagt abends: „Ich möchte gerade mit niemandem tauschen“ und ich pflichte ihr bei.

Am nächsten Tag fahren wir das bisher vielleicht schönste Tal, die Ruta de los Ventisqueros. Es führt bei Puerto Tranquilo ab und man muss hier auch wieder zurück, aber die Fahrt von beiden Seiten lohnt sich!

Je weiter wir nach Süden vorstoßen, je spektakulärer wird die Landschaft (Tipp: Rio Baker), je herausfordernder allerdings auch die Pistenverhältnisse. Anfangs noch gut asphaltiert mit nur gelegentlichen Schotterpassagen ist das letzte Drittel der Carretera eine reine Schotterpiste – ab Cochrane nur noch sehr schmal, stark bombiert (für die Nicht-Fachleute: an beiden Straßenrändern stark abfallend damit der Regen in den Straßengraben ablaufen kann) und bisweilen stark ausgewaschen. Ich muss mich sehr konzentrieren. In einer Kurve sehen wir wohin ein kurzer Augenblick der Unaufmerksamkeit bzw. ein kleiner Fahrfehler führen kann: kurz vor uns ist ein Straßen-Baustellen 4-Achser LKW in einer Kurve leicht von der Piste in den weichen Randbereich abgekommen und umgestürzt. Die Bauarbeiter laufen noch aufgeregt um den LKW herum. Mich nimmt dies ziemlich mit: es war ein Berufskraftfahrer der diese Straße täglich mehrmals fährt, und nicht ein unaufmerksamer Tourist, der mit seinem Mietwagen zu schnell unterwegs ist. Mir wird klar wie schnell unsere bisher traumhaft verlaufene Weltreise auch zu Ende sein kann.

Noch konzentrierter fahren wir bis Caleta Tortel, einem winzigen Dorf komplett auf Stelzen gebaut und mit Treppen durchzogen, welches das Ende der Carretera Austral markiert.

Abends beim Sundowner auf unserem Traum-Stellplatz mit Blick auf Gletscher, Seen und Landschaften lassen wir den Tag Revue passieren…. Ich sitze wahnsinnig gerne hinter dem Steuer, aber heute bin ich froh, dass das Fahren zu Ende ist. Ich bin müde.

4 Kommentare

  1. Ganz tolle Fotos!!! 👍🏼

    1. Danke Mathias!

  2. Die Schönheit Eurer Bilder macht geradezu sprachlos… im aktuellen Lufthansa Magazin gibt es einen kleinen Artikel über die Cuevas de Marmol – als ich ihn vorhin sah, habe ich mich schon wie ein kleiner Insider gefühlt- dank Euch!

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