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Bolivien: Entlang der Lagunenroute zum Salar de Uyuni

Wir verlassen Chile auf einem 4.300 Meter hohen Grenzübergang. Zum Zoll für die Fahrzeugeinfuhr müssen wir über 80 km weiter fahren zum höchstgelegenen Zollposten weltweit mit 5.033 Meter.

Unsere Höhen-Akklimatisierung funktioniert an sich ganz gut, haben wir doch schon die letzte Woche immer auf über 2.500 Meter übernachtet und versucht, so es unsere Reiseroute erlaubte, uns sukzessive zu steigern. Auch Shujaa macht keine Probleme nur pfeifen die beiden Turbos lauter als sonst, die Luft ist halt verdammt dünn.

Die sogenannte Lagunenroute führt ca. 200 km durch absolute Einsamkeit entlang der bolivianischen/chilenischen Grenze auf grenzwertigen Pisten – nur ein paar Tourjeeps sieht man von Zeit zu Zeit. Wir fahren an unzähligen Lagunen vorbei, die je nach ihrer dominanten Farbe mal Laguna Verde, mal Laguna Blanca oder Laguna Colorada heißen. Wir sehen gefühlt hunderttausend Flamingos und Karin kommt aus dem Dauerfotografieren gar nicht mehr raus – umso mehr Arbeit haben wir dann beim abendlichen aussortieren. Die goldgelben Gras-Steppen, die bizarren Steinformationen und die verschneiten umliegenden Vulkane komplettieren diese einmalige Atmosphäre.

Die starken Regenfälle der Regenzeit haben jedoch die eh schon schlechten Pisten weiter ausgewaschen und wir haben die ersten wirkliche fahrtechnischen Herausforderungen unserer Weltreise zu meistern. Als wir von der Lagunenroute in das Altiplano-„Tiefland“ auf nur noch 3.800 Meter hinabfahren und uns über die zunächst gute Erdstraße freuen, setzen starke Gewitter mit Dauerregen ein, die ein Fortkommen nur noch mit größter Konzentration möglich machen. Die Straße wird matschig und fühlt sich an wie Glatteis. Erschöpft beziehen wir einen Nachtplatz direkt neben der aufgeweichten Piste wo wir halbwegs überflutungssicher stehen können.

Nachts um ein Uhr kommt die Militärpolizei vorbei, klopft laut und will in strömendem Regen unsere Papiere sehen, lassen uns dann aber schnell auch wieder unbehelligt. Dennoch brauchen wir wieder eine Zeit, um wieder einzuschlafen. Die Weiterfahrt nach Uyuni am nächsten Morgen ist auf den völlig durchweichten Erdstraßen eine Herausforderung. Wir sind froh, als wir heil angekommen: Es sind Einkäufe und ein paar Themen an Shujaa zu erledigen – so hat sich z. B. unser erst vor einem Monat frisch montierte Astabweiser erneut auf den wilden Pisten der letzten Tage gelöst und hat einen wilden Krach verursacht, aber diesmal ist wenigstens das Rohr noch vorhanden.

Nach ausgiebiger Reinigung von Shujaa geht es zum eigentlichen Salar de Uyuni mit einer Ausdehnung von 160 km x 100 km der größte Salzsee der Welt in dem 75% der Silizium-Vorräte vermutet werden. Leider ist der komplette Salar durch die heftigen Regenfälle überflutet, so dass mein Traum mit Shujaa über den Salar zu fahren sich nicht erfüllt. Nach unserer Erfahrung in der Laguna Llancanelo in Nordargentinien sind wir zudem sensibilisiert hinsichtlich Einsacken in bodenlosen Lagunen. Mit Shujoo, unserem Quad, fahren wir entlang des Salzsees, überlegen mehrmals ob wir mit ihm über den See fahren sollen, aber die Vernunft siegt schlussendlich, so dass wir stattdessen eine ausgedehnte Wanderung auf dem See machen: trotz Gummistiefel schwappt das Wasser häufig in die Stiefel hinein, aber die Szenerie ist einfach wunderschön. Zwei Tage verbringen wir auf einem Traum-Standplatz auf Felsen erhöht mit Blick auf den Salar und erleben alle Wetterzustände.

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5 Kommentare

  1. Es kommen so viele Erinnerungen hoch…. ich tauche jedes Mal ein in Eure Geschichten. Beim Anblick der Abertausenden Flamingos in den Lagunen kommen mir mit Euren Zeilen wieder die Tränen hoch, die ich im Sonnenuntergang vor 17 Jahren dort vergossen habe… diese Natur berührt mich zutiefst! Danke! Beste Grüße aus dem winterlichen München, Monika

    1. Liebe Monika,
      danke auch für das Teilhaben an Deinen Gefühlen. Schön, dass Du Dich daran erfreuen kannst und Erinnerungen aufgefrischt werden, dann ist schon viel erreicht.
      Liebe Grüsse
      Karin & Oliver

  2. Eure Blogs zu lesen ist ein jedes Mal ein bisschen wie eigener Urlaub.
    Und mit Euren sensationellen Aufnahmen würdet Ihr sowieso jetzt schon jeden Fotowettbewerb gewinnen 🙂
    Es macht sehr viel Freude, an Eurer Reise auf diese Art und Weise teil zu haben.

    1. Danke, danke, danke – Besos

  3. Echt Wahnsinn! Total spannend

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