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Abenteuer Pantanal…. und liebliches Bonito

An einem Samstagmorgen fahren wir zügig aus dem Molloch Sao Paulo raus und freuen uns wieder auf Abenteuer anderer Art: Natur, Tiere, Pistenfahren, einsame Stellplätze. Es sind über 1.500 km zu unserem nächsten Ziel, dem Pantanal. Damit wir dort jedoch nicht direkt im ersten Schlammloch steckenbleiben, müssen wir unsere Reifen mal wieder wechseln und beschließen, es dieses Mal selbst zu machen: Zum einen, um nicht aus der Übung zu kommen, zum anderen, weil wir von der Fachkenntnis und grobmotorischen Vorgehensweise südamerikanischer Reifenwechsler bisher nicht wirklich überzeugt waren. So verbringen wir geschlagene 8 Stunden an einem Posto, um 8 Reifen (200 kg schwer mit Felge) zu wechseln: Reifen auf der Felge zu drehen, die Reifen von der Reserveradfelge auf die Hinterachsfelge zu ziehen und schlicht Positionen wechseln, um einen gleichmäßigen Abrieb zu unterstützen. Fazit: wir sind stolz und können noch alle Reifenwechsel-Varianten, aber wir sind anschließend auch völlig fertig und alle Knochen schmerzen. Bei über 35° C ist dies schon eine Herausforderung und 8 Reifen en bloc sind schon ein Wort. Für den Pannenfall, der uns glücklicherweise in Südamerika auf den bisherigen 55.000 km erspart geblieben ist, sollten wir also gut gerüstet sein.

Das Pantanal ist der größte „Schwamm“ der Erde, der die Wassermassen aus den Anden und dem Herzen Südamerikas ein halbes Jahr während der Regenzeit aufsaugt und sie langsam und fein dosiert wieder abgibt, so dass Buenos Aires am Rio de la Plata über 3.000 km weiter südlich nicht „Land unter“ meldet. Dieser Schwamm ist so groß wie Portugal, Holland, Belgien und die Schweiz zusammen und gilt als der größte Süßwasser-Sumpf der Erde. Ein Traum für unzählige Vögel, Kaimane, Wasserschweine, Ameisenbären, Gürteltiere und natürlich für den Jaguar, von dem es dort angeblich 8.000 Stück geben soll. Natürlich auch eine Brutstätte von Zig-Milliarden Moskitos, die uns ziemlich nerven, und vielen anderen kleinen Krabbeltieren.

Gerade die Großtiere sind aber im Gegensatz zu Afrika bisweilen schwer zu sehen, insbesondere weil es in den letzten Tagen – ungewöhnlich für das Ende der Trockenzeit – sehr viel geregnet hat. Daher steuern wir als erstes eine Dschungel-Lodge an, auf deren Parkplatz wir mit Shujaa für 2 Tage parkieren und an deren „Game-Drives“ wir teilnehmen. Die Jeep Safari ist hinsichtlich Tierbeobachtungen erfolgreicher als die Bootstour auf dem Rio Miranda am nächsten Tag: wir sehen viele Tiere nur den Jaguar nicht. Schade! Nun versuchen wir unser Glück auf eigene Faust, verbringen eine Nacht auf einem Traumstellplatz an der Estrada Parque (der einzigen Straße durch das südliche Pantanal) und sehen viele Tiere und Vögel – einschließlich der seltenen blauen Aras. Aber auch hier kein Jaguar. Auch die Fahrt über insgesamt mehr als 50 Holzbrücken entlang der Estrada Parque bis nach Corumba an der bolivianischen Grenze bringt zwar traumhafte Landschaften und viele Vögel und Kaimane, aber kein Jaguar. Alle Brücken machen insgesamt einen robusten Eindruck, auch wenn sie offiziell nur bis 15 Tonnen ausgewiesen sind (also 3-4 Tonnen weniger verkraften als Shujaa auf die Waage bringt) und unzählige Kaimane im Wasser auf Beute lauern. Jeden Tag fahren zahlreiche Sattelschlepper vollgeladen mit Rindern über die Brücken, die deutlich mehr wiegen. Dies lässt uns relativ entspannt die Brücken passieren.

Kaum sind wir wieder in der Zivilisation – sprich auf Asphaltstraßen – setzen heftige Gewitter mit Starkregen ein…. Das Timing hat mal wieder gepasst. Wir fahren in die Region von Bonito, welche bekannt ist für glasklare Flüsse (aufgrund des hohen Anteils von Kalziumkarbonat, welches die Sedimente bindet) mit vielen Fischen, welche auf Floating-/Schnorcheltouren bestaunt werden können. Eine solche machen wir natürlich auch und sind hin und weg. Die Kombination aus Schnorcheln und sich einfach sehr relaxed auf dem Fluss mit der Strömung treiben zu lassen und das alles in tropischer Vegetation ist einzigartig.

Auch Burao da Araras, ein tiefer mit Wasser gefüllter Sandsteinkrater, fasziniert uns. Hier sehen wir nicht nur zahlreiche rot-blaue Ara-Pärchen, sondern auch Tukane und viele andere Vögel. Eine tolle Stimmung, auch wenn der Himmel leider bedeckt ist und wir somit für die Fotos eine gewisse Qualitätseinbuße hinnehmen müssen.

Nach 6 Wochen Strand und Städte war das Pantanal und die Gegend um Bonito für uns mal wieder eine tolle, tierreiche Abwechslung…. Bevor es zum letzten Highlight in Brasilien geht: den Iguazu Wasserfällen.

7 Kommentare

  1. Sensationelle Aufnahmen! Was für Eindrücke, diese Tiere in Ihrem Habitat erleben zu dürfen!! Diese Farben!! Phänomenal…. Danke! Liebe Grüße, Monika

    1. Danke Monika, das ist lieb. Und danke, dass Ihr uns immer so nett folgt und schreibt. Das freut uns sehr!

  2. Wunderschön!

  3. Colorful life!😊
    … und Respekt für‘s Reifenwechseln!

    1. Danke! Hugs nach DE!

  4. Tolle Bilder!!!

    Liebe Grüsse, Jutta

    1. 😉

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